Vogel des Jahres 2026
… and the winner is: Das Rebhuhn!!!
Das Rebhuhn: „Vielen, vielen Dank! Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Ich bin so gerührt! Ich danke meiner Familie und meinen Freunden, die mich so unermüdlich unterstützt haben. Aber mein besonderer Dank geht an … bla bla bla, piep piep piep.“
Nein, so war es wohl nicht. Kein roter Teppich, kein Blitzlichtgewitter und auch keine mehr oder weniger originellen Dankesreden.
Aber wie läuft die Wahl zum „Vogel des Jahres“ denn nun wirklich ab?
Der „Vogel des Jahres“ wird beim NABU nicht einfach zufällig ausgewählt – die Wahl hat einen festen, zweistufigen Ablauf, bei dem sowohl Expert:innen als auch die breite Öffentlichkeit eine Rolle spielen:
1. Vorauswahl durch Naturschutz-Expert:innen
Bevor die Öffentlichkeit abstimmen kann, treffen Fachleute vom NABU und seinem Partner, dem Landesbund für Vogelschutz (LBV) eine Vorauswahl.
Sie wählen fünf Vogelarten aus und orientieren sich dabei an folgenden Kriterien:
- Bedeutung für den Naturschutz
Die ausgewählten Vogelarten stehen symbolisch für drängende Naturschutz- oder Lebensraum-Probleme in Deutschland: z. B. Verlust von Lebensräumen durch intensive Landwirtschaft, Pestizideinsatz, Insektenrückgang, Feuchtigkeitsveränderungen, Sanierungen in Siedlungen oder fehlende Nistplätze. Durch die Wahl sollen diese Themen sichtbar gemacht werden. - Gefährdung der Art oder ihres Lebensraums
Oft sind die Kandidaten entweder selten geworden oder stark bedroht – sei es aufgrund schrumpfender Lebensräume, durch Klimawandel oder andere menschliche Einflüsse. Auch Arten, deren Schutz wichtige ökologische Zusammenhänge verdeutlicht, werden bedacht. - Repräsentation der Vielfalt der Vogelwelt
Das Expert:innengremium achtet darauf, dass die Vorauswahl verschiedene Lebensräume und ökologische Herausforderungen abdeckt (z. B. Stadt- / Siedlungsvögel, Feld- und Wiesenbewohner, Waldbewohner oder Arten aus Gewässernähe). Damit soll ein möglichst breites Spektrum der heimischen Vogelwelt ins Bewusstsein der Öffentlichkeit rücken. - Öffentlichkeitswirkung und Vermittlung potenzieller Maßnahmen
Kandidaten sollen Geschichten erzählen können – also gut geeignet sein, die Öffentlichkeit anzusprechen und konkrete Artenschutz- oder Lebensraumprojekte zu vermitteln. Das hilft, Menschen zu motivieren sich aktiv für den Vogelschutz einzusetzen.
Diese fünf Vögel stehen anschließend zur öffentlichen Wahl.
2. Öffentliche Online-Abstimmung
Nach der Vorauswahl findet über mehrere Wochen im Herbst eine offene Online-Abstimmung statt, bei der jede:r mitmachen kann.
Am Ende zählt der NABU die Stimmen aus und der Vogel mit den meisten Stimmen wird zum „Vogel des Jahres“ erklärt.
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So, und jetzt noch einmal. The winner is:
Das Rebhuhn!
Das Rebhuhn wirkt auf den ersten Blick ein bisschen pummelig – Hals, Schwanz und Beine sind deutlich kürzer als bei unseren Haushühnern. Dennoch kann es, wenn es drauf ankommt, erstaunlich schnell rennen.
Die meiste Zeit halten Rebhühner sich am Boden auf, wo sie dank der rotbraun gemusterten Oberseite gut getarnt sind. Bei Gefahr ducken sie sich flach auf die Erde, nur im Notfall fliegt es mit lauten Flügelgeräuschen eine kurze Strecke davon.
Das Nest wird in guter Deckung am Boden gebaut, es kann mehr als ein Dutzend Eier enthalten. In den ersten Lebenswochen ernährt sich das Rebhuhn vor allem von Insekten und deren Larven, während Altvögel pflanzliche Nahrung wie grüne Pflanzenteile, Getreidekörner und die Samen von Wildkräutern bevorzugen. Die Familie hält auch nach der Brutzeit zusammen – Jäger sprechen bei solchen Verbänden von einer „Kette“.
Ursprünglich war das Rebhuhn ein Steppenvogel. Als Kulturfolger ist es erst mit der Entwicklung der Landwirtschaft bei uns heimisch geworden. Es war lange Zeit ein häufiger Charaktervogel der Feldflur. Heute kann man es nur noch selten beobachten, weil der Bestand dramatisch abgenommen hat.
Die guten Zeiten der Rebhühner endeten in den 1970er Jahren durch Veränderungen in der Landwirtschaft: Es erscheint widersprüchlich, aber große Felder engen ihren Lebensraum ein. Grenzlinien, die früher durch kleinbäuerliche Strukturen die Landschaft prägten, sind für Rebhühner überlebenswichtig. Zwischen den vielfältigen Feldfrüchten wie Kartoffeln, Zuckerrüben, Weizen, Gerste, Futterklee und anderem gab es viele Hecken, Wegränder oder unbewirtschaftete Altgrasstreifen. Hier finden sie Schutz vor ihren Feinden und Nahrung für die Küken. Durch die Flurbereinigung hat die Größe einzelner Felder enorm zugenommen. Ausgeräumte Landschaften und die moderne Bewirtschaftung spielen beim Bestandsrückgang der Feldhühner eine große Rolle. Zudem ist mittlerweile auch die Vielfalt der genutzten Feldfrüchte stark eingeschränkt: Neben Weizen wird häufig nur noch Raps und Mais angebaut. In diesen monotonen Landschaften hat das Rebhuhn kaum eine Chance zu überleben.
Auch aus Leverkusen ist das Rebhuhn mittlerweile verschwunden. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wird es noch als häufiger Brutvogel insbesondere in den Feldern der Rheinebene beschrieben. Auch in den 1970er Jahren werden aus Leverkusen noch 80-110 Brutpaare gemeldet und es kommt noch bis in die vorbergische Hügellandschaft vor, schon ein Jahrzehnt später sind es nur noch 20-30 Brutpaare.
Um dem Rebhuhn zu helfen wieder Fuß zu fassen, bedarf es Änderungen in der Landnutzung durch die Landwirtschaft: Mehrjährige Brachen und eine extensivere Bewirtschaftung sind wichtige Maßnahmen, ebenso das zeitweilige Belassen von Stoppelfeldern, die heutzutage meist gleich nach der Ernte umgebrochen werden. Auch der Verzicht auf Pestizide und eine angepasste Düngung fördern die Vielfalt von Insekten und Wildkräutern – und damit die Nahrung für Alt- und Jungvögel.







