Wer weiß schon, dass sich die große Mehrzahl der bei uns lebenden mehr als 500 heimischen Wespenarten absolut friedlich verhält, teilweise sogar gar nicht in der Lage ist zu stechen? Nur ganze zwei dieser Arten können zeitweise im Jahr zu einem Problem werden. Die im Boden nistende Deutsche Wespe (Paravespula germanica) und die Gemeine Wespe (Paravespula vulgaris) teilen im Sommer mit uns die Vorliebe für süße Speisen und Getränke und verhalten sich zu dieser Zeit nicht immer friedlich. Dieses Problem aber erledigt sich in kurzer Zeit von selbst. Bis auf die überwinternde Königin sterben die Wespen alle ab. Vorher beteiligen sich alle auf der Suche nach Nektar, Pflanzensäften und Honigtau an der Bestäubung unserer Obstgehölze. Für die Fütterung der Wespenlarven müssen „Arbeiterinnen“ eine Unmenge von Fliegen, Raupen und anderer Insektennahrung heranschaffen. Sie sind damit so beschäftigt, dass es bis zum Sommer kaum zu Belästigung durch Wespen kommt. Dann stellt die Königin die Eiablage ein, das arbeitsaufwendige Füttern der Larven entfällt und die Arbeiterinnen nutzen jetzt ihren wohlverdienten „Ruhestand“, um sich an Obst und anderen süßen Speisen zu vergnügen.

Fühlen sie sich durch menschliche Abwehrreaktionen bedroht, greifen sie auch mal zu ihrem wirkungsvollsten Mittel der Verteidigung: sie stechen. Ein paar Regeln, die Sie beachten sollten, um schmerzhafte Begegnungen zu vermeiden:

  • Ruhig und gelassen bleiben und hektische Bewegungen vermeiden
  • Tiere nicht anatmen
  • Süße Speisen und Getränke nicht unbedeckt im Freien stehen lassen
  • Nicht aus offenen Flaschen trinken
  • Kindern Reste von Süßem vom Mund abwischen
  • Wo Fallobst am Boden liegt, nicht barfuß laufen.

 

Hat sich ein Wespenvolk der an sich friedfertigen Sächsischen Wespe (Dolichovespula saxonica) z. B.  in für Kinder bedrohlicher Nähe angesiedelt, ist es ratsam, einen fachlich ausgebildeten Insektenbekämpfer zu Rate zu ziehen.

 

Alarmierender Rückgang

Wie in so vielen anderen Bereichen der Natur ist auch bei den Hautflüglern in den letzten zwanzig Jahren ein beängstigender Rückgang der Vielfalt zu beobachten. Eine der wichtigsten Ursachen ist ohne Zweifel die chemische Belastung der Umwelt. Wie viele Hobbygärtner glauben immer noch, auf Insektizide nicht verzichten zu können, und der Einsatz von Chemie in der Landwirtschaft ist nach wie vor immens.

Aber auch Wohnungsmangel setzt den Hautflüglern zu. Immer mehr alte Zäune und Scheunen mit ihrem mürben Holz verschwinden, Gartenwege werden plattiert oder betoniert, Böschungen und aufgelassene Sandgruben durch „Pflegemaßnahmen“ in einen Zustand versetzt, der sie als Brutplatz ungeeignet macht.

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Schutzmöglichkeiten

Mit ganz einfachen Mitteln kann ein Garten zum Refugium für Insekten aller Art werden:

  • Lassen Sie an einigen Stellen Laub und Zweige, Steine und totes Holz als Unterschlupf für Laufkäfer und Kurzflügler liegen.
  • Schneiden Sie Stauden nicht im Herbst, sondern erst im nächsten Frühjahr herunter. So können viele Käfer- und Hautflüglerarten in Ruhe darin überwintern.
  • Schaffen Sie Nistmöglichkeiten für „solitär“, das heißt allein lebende Bienen- und Wespenarten, indem Sie Nisthölzer oder Bündel hohler Stängel aufhängen – Material dazu liefern Brombeeren und Holunder, Buddleia und Königskerze, aber auch Stroh- oder Schilfhalme. Ohrwürmer freuen sich, wenn Sie mit Holzwolle gefüllte Blumentöpfe in den Bäumen aufhängen. Bauanleitungen und fertige Nisthilfen finden Sie in unserem InfoTreff für Natur und Umwelt!
  • Sorgen Sie das ganze Jahr über für ein  reiches Blütenangebot und bevorzugen Sie dabei die ungefüllten Sorten. Geben Sie auch hier und da „Unkräutern“ eine Chance – Nektar und Pollen sammelnde Insekten wie Schmetterlinge, Hautflügler und Fliegen werden es Ihnen danken!

 

Und eine letzte Bemerkung: Da Sie auf diese Weise auch die Räuber und Parasiten unter den Insekten fördern – Marienkäfer und Florfliegen, Schwebfliegen und Schlupfwespen – können Sie getrost auf den Einsatz von Giften verzichten, die nicht nur die „Schädlinge“ vernichten, sondern auch so manche Vogelbrut und auf Umwegen doch nur wieder in unserem eigenen Körper landen.