Feuerwanzen – die unterschätzen Helfer im Garten
Die meisten kennen sie, nicht alle lieben sie – die leuchtend rote Feuerwanze. Dabei tut man ihr damit Unrecht. Genauso wie bei den Wespen nur zwei Arten den Ruf von allen verderben, tun es hier die Bett- und Stinkwanzen.
Dabei haben die Feuerwanzen überhaupt kein Interesse daran, ins Haus zu kommen. Wenn es doch einmal passiert, dann haben sie sich verirrt und man sammelt sie vorsichtig ein und bringt sie wieder nach draußen.
Gleich zu Anfang möchte ich noch mit einem weiteren Irrtum aufräumen. Oft wird die Feuerwanze mit dem Feuerkäfer verwechselt. Käfer (Coleoptera) sind eine Ordnung in der Systematik, Wanzen (Heteroptera) sind eine Unterordnung der sog. Schnabelkerfen.
Käfer haben Mundwerkzeuge, mit denen sie ihre Nahrung zerkleinern können, Wanzen haben einen Stechrüssel, mit denen sie Tiere oder Pflanzenteile aussaugen können. Sie können also nur Flüssiges zu sich nehmen. Bei Nichtgebrauch ist ihr Rüssel unter den Bauch geklappt.


Ein weiter wichtiger Unterschied ist ihre Entwicklung. Käfer durchlaufen eine vollständige Verwandlung vom Ei, über die Larve und Puppe zum erwachsenen Tier.
Die Wanzen machen eine sog. unvollständige Verwandlung durch. Sehr klein schlüpfen sie aus ihrem Ei und haben nach fünf Larvenstadien dann ihr fertiges „Erwachsenenkleid“ (Imago). Die Wanzen müssen sich häuten, weil ihr Panzer nicht mitwächst und irgendwann zu klein für sie wird. An einer Sollbruchstelle bricht der alte Panzer auf und die Wanze arbeitet sich mühsam heraus.
Oft ist es so, dass man vom Aussehen der Larven nicht zwangsläufig sofort weiß, wen man da vor sich hat. In diesem Falle ist es so, dass sie aber zumindest schon die rote Farbe zeigen und mit der Zeit auch das Schwarze hinzukommt. Kennzeichnend für die Feuerwanzen ist zudem, dass sie durch ihre verkürzten Flügel flugunfähig sind.

Die Gemeine Feuerwanze (Pyrrhocoris apterus) ist nur eine von zwei Feuerwanzenarten, die überhaupt in Deutschland vorkommen. Ihre Nahrung besteht aus tierischer und pflanzlicher Kost.
Aus (heruntergefallenen) Samen und anderen pflanzlichen Teilen saugen sie das für sie notwendige aus und beschleunigen so die Zersetzung der Pflanzenreste und die Nährstoffe stehen somit schneller wieder zur Verfügung. Ebenso verfahren sie mit toten Insekten, wobei auch die eigene Art nicht verschont bleibt. Auch vor Schneckeneiern machen sie nicht Halt. So sorgen sie für ein natürliches Gleichgewicht.

Ein weiteres Plus: Studien haben gezeigt, dass die aus ihren Drüsen abgesonderte Stoffe Mücken und Fliegen fernhalten. Der Mensch kann diesen Duft übrigens nicht wahrnehmen.
Zusammenfassend kann man sagen, dass die Feuerwanzen zu den Nützlingen gehören und viele Vorteile für den Garten haben:
- kein Interesse an der Wohnung (wenn sie sich verirren, dann mit einem Papierchen oder Kehrblech und Handfeger wieder nach draußen bringen).
- sie können nicht beißen
- sie saugen abgestorbene Pflanzenteile und tote Insekten aus und beschleunigen so die Zersetzung.
- Schneckeneier werden dezimiert, da sie auch auf ihrem Speiseplan stehen.
- Ihr Duftstoff (den die Menschen nicht wahrnehmen) vertreibt Mücken und Fliegen.
- sie sind Bestäuber. Zwar nicht im klassischen Sinne, wie z. B. Bienen, aber durch das Herumlaufen auf verschiedenen Pflanzen geben auch sie die Pollen weiter.
- sie sind ungiftig.
Deshalb können wir guten Gewissens die Gemeine Feuerwanze als unseren Freund und Helfer im Garten betrachten, der nicht verfolgt und beseitigt werden muss. Im Gegenteil, ihre Anwesenheit sollte uns erfreuen.

Für alle, die es interessiert, hier noch weitere interessante Fakten zu unserem feuerroten Helfer.
Feuerwanzen halten sich sehr gerne am Fuße oder Stamm von Linden und Robinien auf, blühenden Malven, Stockrosen, Hibiskus und Eibisch. Sie sind sehr gesellig, von daher sieht man sie immer in größeren oder kleineren Trupps, die sich über große Teile eines Baums verteilen können.
Gerade, wenn es kühler wird und sogar im Winter kann man sie an der Sonnenseite des Baumstamms sehen, wo sie Wärme tanken. Durch ihre Pheromone (Duftstoffe) finden sie zusammen, es stärkt den Zusammenhalt und die Sicherheit.


Oft sind in ihrer Gesellschaft auch Lindenwanzen (Oxycarenus lavaterae) zu finden, einfach einmal genauer hinschauen.
Die Paarung kann bis zu 30 Stunden dauern. Damit soll für eine optimale Befruchtung der Eier gesorgt werden.
Anschließend legen die Weibchen bis zu 60 Eier in Ritzen und Löchern im Boden und unter der Rinde ab. Die Eier besitzen Stoffe, die sie vor Fressfeinden (z. B. Vögel oder Spinnen) schützen. Die Wanzenmutter bleibt in der Nähe, um die Eier stets feucht zu halten. Auch die jungen Larven sind noch auf ihre Fürsorge angewiesen.
Die Entwicklung vom Ei bis zum erwachsenen Insekt (Imago) braucht etwa zwei bis drei Monate. Das ausgewachsene Insekt hat eine Lebenserwartung von zwei Monaten bis zu einem Jahr.

Wird es kälter und geht es auf den Winter zu, verkriechen sich die erwachsenen Feuerwanzen in geschützten Stellen, wie Ritzen, unter Steinen, an Baumstümpfen, unter Laub (also bitte auch den ein oder anderen Laubhaufen bis zum Frühling liegen lassen – er hilft nicht nur Igeln, sondern auch den Feuerwanzen).







