Der Schwalbenschwanz (Papilio machaon)

Schmetterling des Jahres 2006

Einen schon fast exotisch anmutenden Falter haben die BUND NRW Naturschutzstiftung und die AG Rheinisch-Westfälischer Lepidopterologen mit dem Schwalbenschwanz (Papilio machaon) zum "Schmetterling des Jahres" gewählt. Mit seinen kräftig gelbschwarz gefärbten Vorderflügeln und den mit einem leuchtend roten Fleck gekennzeichneten Hinterflügeln gehört er zu den schönsten und auch größten (ca. 8 cm) Tagfaltern Europas. Die schwanzartige Verlängerung an den leicht gewölbten Hinterflügeln trug ihm den Namen "Schwalbenschwanz" ein.

Sein Verbreitungsgebiet reicht von Europa und Nordafrika über das gemäßigte Asien bis nach Nordamerika, pro Flächeneinheit hat er aber nur eine niedrige Populationsdichte. Die verstreut lebenden Männchen und Weibchen müssen also bei der Partnersuche eine besondere Strategie entwickeln: So versammeln sie sich alljährlich zum Balzflug an Bergkuppen, Türmen oder anderen Geländeerhebungen; englischsprachige Insektenkundler nennen diesen ungewöhnlichen Heiratsmarkt "hill-topping".

Nach der Begattung im Mai und Juni überfliegen die Weibchen der ersten Generation auf der Suche nach geeigneten Pflanzen weite Gebiete. Etwa 150 Eier werden dann an aromatischen Doldenblütlern (z. B. Wilde Möhre) so verteilt, dass jede Wirtspflanze nur wenige Raupen zu versorgen hat. Die bunten Raupen sind nämlich äußerst gefräßig und können ihr Gewicht in nur 14 Tagen vertausendfachen. Auch die Weibchen der Sommergeneration wählen im Juli und August Doldenblütler (z. B. Fenchel, Dill) zur Eiablage aus.

Den Winter verbringt der Schwalbenschwanz als grau oder grün gefärbte Gürtelpuppe, aus der dann im Frühsommer der wunderschöne Schmetterling "entsteigt".

Die Umwandlung landwirtschaftlicher Betriebe in Agrarwüsten und der übermäßige Einsatz von Pestiziden, denen vor allem die Wildkräuter zum Opfer fielen, haben dem Schmetterling des Jahres in den 70er und 80er Jahren fast keine Überlebenschance gelassen. Jetzt aber hat sich der Bestand leicht erholt, wie Rainer Lechner vom BUND NRW in der Begründung zur Wahl des Schwalbenschwanzes mitteilt. Diese Nachricht ist nicht nur für Naturschützer Anlass zu großer Freude, sondern auch für alle jene Menschen, denen die Schmetterlinge wegen ihrer Anmut, ihrer Leichtigkeit und ihrer uneigennützigen Schönheit ans Herz gewachsen sind.

Wenn nun – ermutigt von dieser erfreulichen Neuigkeit – noch mehr Gartenbesitzer auf Düngung (außer manchmal in Nutzbeeten) und Chemikalien verzichten, blühende und duftende einheimische Blumen anpflanzen, wilden Möhren ein sonniges Plätzchen bieten und sich auch eine „ungepflegte“ Ecke gönnen, wird sich nicht nur der prächtige Schwalbenschwanz, sondern auch die Vielzahl der anderen „leichten, seligen Tänzer“ (Zitat aus einem alten Schmetterlingsbuch) weiterhin bei uns wohlfühlen.

Waltraud König-Scholz