Die Esche (Fraxinus excelsior L.)

Baum des Jahres 2001

Schön, dass die "Schutzgemeinschaft Deutscher Wald" nach der Birke erneut einen "Allerweltsbaum" gewählt hat, den wir auch in Leverkusen nicht lange suchen müssen.

Es lohnt sich auf jeden Fall, die Esche, deren lateinischem Namen Fraxinus Linné noch den Beinamen "excelsior" verliehen hat, genauer anzuschauen. Ein bisschen Geduld muss man im Frühling schon haben, denn bevor uns die elliptisch zugespitzten und gesägten Fiederblätter mit ihrer hell und dunkelgrünen Färbung erfreuen, drängen unscheinbare violette Blütenbüschel ans Licht, deren Bestäubung der Wind übernimmt; er sorgt auch für die Verbreitung der langen braunen Nussfrüchte. "Sinnbild der besonnenen Einsicht" nannte Hildegard von Bingen dieses Abwarten der Blätter.

Verbreitet ist der schlanke, hochgewachsene Baum, dessen lichte Krone aus schwungvoll nach oben gerichteten Zweigen besteht, in ganz Europa. In Deutschland gedeiht er überall, von den Laubwäldern der Ebenen, den Auen bis in die Mittelgebirgslagen. Bei günstigen Umweltbedingungen kann er bis zu 300 Jahre alt werden und erreicht die stattliche Höhe von 40 m. Schon seit der Antike verwendete man das harte, zähe und besonders elastische Holz zur Herstellung von Handwaffen jeder Art. Der bekannteste Speer aus Eschenholz ist wohl der des Zentauren Chiron, mit dem Achilles Hektor besiegt hat. Heute benutzt man das zartbraune Holz zu friedlicheren Zwecken: für Parkett, Möbel und Werkzeugstiele.

Da die Esche feuchte Standorte besonders liebt, war sie bei den Kelten das Symbol für die Macht des Wassers: Druiden verwendeten sie beim Regenzauber, Fischer stellten einzelne Bootsteile zum Schutz gegen das Kentern aus ihrem Holz her. In der Handschrift der "Edda", einer Sammlung nordischer Götter und Heldenlieder aus dem 13. Jahrhundert, wird von der Weltenesche Yggdrasil berichtet, deren Wurzeln in den Abgründen der Unterwelt verankert sind, deren Stamm Midgard die Erde, trägt und deren Krone das Himmelsgewölbe stützt.

In vielen Bräuchen haben sich Reste dieser alten Sage bis ins 19. Jahrhundert erhalten, aber es gab auch durchaus praktische Beziehungen des Menschen zu diesem Baum: Seine Blätter wurden als Viehfutter und zur Herstellung von Rheuma- und Gichtheiltees verwendet, und die grünlichgraue, glatte Rinde junger Äste galt lange als fiebersenkendes Mittel. Heute versucht die Pflanzenheilkunde, diese alten Erfahrungen wieder zu nutzen. Zum Schluss noch eine Besonderheit der Esche: Sie wirft als einziger Baum ihre Blätter in grünem Zustand ab, die sich dann schnell zersetzen. Diese wertvolle Streu wirkt bodenverbessernd, humusbildend, und sie sorgt für ein reiches Bodenleben. Vielleicht findet sich ja noch ein sonniges Plätzchen in Ihrem Garten !?