junger Siebenschläfer in Leverkusen (2014)

Unbekannte Mitbürger – die Siebenschläfer

Dunkle Knopfaugen unter runden Öhrchen blicken neugierig aus dem Nistkasten – aber nur einige Sekunden, dann flitzt der kleine Nachtschwärmer den Baum hinauf und ist wieder im Dunkeln verschwunden.
Die kleinen „Kobolde der Nacht“ sind vielen kaum bekannt und doch sind sie unsere Mitbewohner in Leverkusen!
Die kleinen 13cm langen Nager sind nachtaktiv und sehr flink. Für die glatte Rinde der Bäume sind ihre Füße optimal angepasst: sie haben kleine spitze Krallen und die Sohlenballen sind leicht feucht und wirken dadurch wie Saugnäpfe. Sie haben eine enorme Sprungkraft und können ohne Probleme in den Kronen der Bäume zielsicher meterweit springen. Dabei unterstützt sie ihr langer, buschiger Schwanz, der als „Steuer“ dient.


Was brauchen Siebenschläfer?

Sie leben meist in alten Buchen- und Eichenwäldern – am besten in naturbelassenen, da dort in den Baumhöhlen ein sicherer Schlafplatz zu finden ist. Auch nur dort, ist der Tisch reichlich gedeckt und so können die kleinen sehr hungrigen sympathischen Tiere leben. Sie wissen genau was für sie gut ist und daher stehen auf ihrem Speiseplan unter anderem Knospen, Bucheckern, Eicheln, Haselnüsse und Früchte.

Sie leben auch gerne in alten Streuobstwiesen mit Hochstamm-Bäumen - denn auch dort finden sie Höhlen, die sie für die Aufzucht der Jungen benötigen.

Foto: Kathrin Worschech

Schlafmützen

Die liebenswerten Siebenschläfer gehören zu den Schlafmäusen, den Bilchen. Sie haben alle zusammen ein großes Talent: sie können ziemlich gut und lange schlafen! Unter den Säugetieren halten sie den Rekord! Von Oktober bis Mai sind die Siebenschläfer im Winterschlaf und reduzieren dabei ihren Herzschlag und die Körperwärme auf ein Minimum. Somit ist ihr Stoffwechsel auf Sparflamme, sie müssen nichts fressen. Sie zehren in dieser langen Zeit von den angefutterten Fettreserven. Und daher gilt: „dicken Siebenschläfern geht es besser!“ – denn sie haben eine höhere Wahrscheinlichkeit, den nächsten Sommer zu erleben. Siebenschläfer wählen für den Winterschlaf die optimale Schlafposition: sie rollen sich als Kugel zusammen und der Schwanz wird drum herum gelegt.


Leben im Eiltempo

Nach dem Winterschlaf muss alles bei diesen possierlichen Tieren ganz schnell gehen: zuerst den Hunger stillen, dann ein Weibchen umgarnen, eine Familie gründen, Kinder aufziehen, Fett für den Winterschlaf anfuttern und schon wieder zusammenrollen und schlafen – alles in 5 Monaten!


Stimmfreudige Kobolde

Siebenschläfer haben ein breites Spektrum an Verständigungsmöglichkeiten. Sie pfeifen, murmeln, zwitschern, zirpen, schnalzen, schnarchen oder quieken in allen Lebenslagen, sei es, um ein Weibchen herbeizulocken, bei der Revierverteidigung oder zur allgemeinen Kommunikation untereinander.
Und wenn sie sich bedroht fühlen, dann lassen sie ein Drohsummen ertönen, das wie gereizte Wespen klingt und klappern mit den Zähnen. Es soll die Feinde abschrecken.
Diese nächtlichen Geräusche sind für unsere Ohren sehr ungewöhnlich und daher dachte man früher, dass hier Geister ihr Unwesen treiben.

Foto: Kathrin Worschech

Bilche bekommen sehr kleine Knilche!

Siebenschläfer-Weibchen bekommen ca. 4-6 Junge. Sie tragen ihre Jungen ca. 30 Tage aus. Im Juli/August werden dann die Jungen geboren. Vorher wird - geschützt in einer Höhle - ein Kugelnest aus Grashalmen, Moosstücken, Federn oder Blättern gebaut. „Faule“ Siebenschläfer verwenden auch gerne möblierte Höhlen (Nistkästen), in denen vorher Meisen gebrütet und ein Nest gebaut haben.
Dann kommen die winzigen Jungen zur Welt, die nur je 4g wiegen (so viel wie ein Bonbon), noch ohne Fell und blind sind. Sie wachsen sehr schnell und nach ca. 25 Tagen öffnen sie die Augen. Sie haben mittlerweile schon ein wärmendes Fell bekommen und können jetzt schon feste Nahrung zu sich nehmen. Mit 4-6 Wochen können sie schon sehr geschickt klettern und verlassen ihren Schlupfwinkel. Dann ist ihre wichtigste Aufgabe, sich auf den Winter vorzubereiten und in den verbleibenden 6 Wochen so viel Fett wie möglich anzufuttern. Das geht in dieser kurzen Zeit nur bei einem reich gedeckten Tisch – und den finden sie nur in naturbelassenen Wäldern.


Vorsicht, Lebensgefahr!

Siebenschläfer haben viele Feinde:  Die ebenfalls nachtaktiven Marder, unsere   Eulen und auch die vielen Hauskatzen machen den kleinen Tieren viele Probleme. Für den „Fall der Fälle“ hat er sich allerdings einen besonderen Trick zugelegt: wie die Eidechsen kann ein Siebenschläfer bei Gefahr ein Stück Schwanz abwerfen – dann ist sein Schwanz zwar kürzer, aber er ist (hoffentlich) mit dem Leben davongekommen.
Und auch der Winter ist eine gefährliche Zeit für die Siebenschläfer, da sie im Winterschlaf absolut bewegungsunfähig sind. So können selbst kleine Mäuse zur Gefahr werden, wenn sie in die Höhle des Winterschläfers gelangen. Sind die Winter sehr lang und streng, so reichen oftmals die Fettreserven der Siebenschläfer nicht aus und sie erleben den nächsten Sommer nicht mehr.



Verhalten

Siebenschläfer müssen Anfang Juni, wenn sie aus dem Winterschlaf aufwachen, erstmal fressen, da sie bis zu 50% ihres Körpergewichts verloren haben.

Sie erkunden in den ersten drei Wochen erstmal das Revier und verschlafen den Tag in verschiedenen Verstecken.

Ende Juni dann schauen sie sich nach einer Höhle für ihren Nachwuchs um und sind dann erst in den Nistkästen zu finden. Zuerst sind sie dort in kleineren Gruppen (das Maximum in Leverkusen war bisher 6 Siebenschläfer in einem Nistkasten).

Tagsüber ist bei den Siebenschläfern meist immer was los: sie putzen sich, sie drehen sich, sie kabbeln sich - und manchmal sieht es so aus, als machen sie "Power-Chillen". Sie liegen dann vollkommen starr auf dem Rücken, so dass man meint, sie leben nicht mehr. Aber kurz darauf sind sie wieder quietschfidel.

Wenn sich die Paare gefunden haben, sieht man Mitte Juli die Siebenschläfer zu zweit in einem Nistkasten. Es werden dann Blätter in die Höhlen eingetragen, um das Nest gut auszukleiden.

Wenn Anfang August die Jungen geboren werden, ist nur noch die Mutter mit den Jungen dort. Die nackten, blinden Jungen brauchen -gerade bei kaltem Wetter- unbedingt die Wärme der Mutter. Sie werden dann unter dem Bauch der Mutter gewärmt, die sich teilweise selber noch mit Blättern oder Moos bedeckt (dann ist wenig zu sehen!). Ist die Mutter mal nicht da, ist das Verhalten der Muttertiere recht unterschiedlich: manche decken ihre Jungen komplett mit Blättern ab, andere lassen sie auch unbedeckt (für die Beobachtung ist das natürlich schöner).

Schon nach einer Woche wächst der erste Fellflaum bei den Jungen, sie ändern dann die Farbe von rosa zu grau-rosa. Nach ca. 2-3 Wochen öffnen sie die Augen und dann beginnt das Training für die freie Wildbahn mit wildem Drüber-und-drunter-Krabbeln.