Interview 2005

Anlässlich der Fotoausstellung "NaturStadt" im Rahmen der Landesgartenschau 2005 in Leverkusen, wurde Herr Brombach zur Ausstellung, zu weiteren interessanten Fragen zur Natur interviewt:

Wie gefällt Ihnen diese Ausstellung?

Es ist eine Freude, zu sehen, was der Fotograf Holger Schmitt in unseren letzten Naturoasen in Leverkusen für Motive für seine herrlichen Bilder entdeckt hat. Manchmal denke ich, dass viele Mitbürger kaum die ursprüngliche Natur in Leverkusen kennen und kurzen Rasen, blühende Pflanzen aus dem Gartencenter und „Grün" als Natur empfinden.
Diese tollen Fotos können das Interesse an unserer heimischen Natur wecken. Ich würde mich freuen, wenn die Betrachter erkennen, dass allein „schön" aus der Gärtnerei unseren heimischen Tieren und Pflanzen nicht beim Überleben hilft - und dass wir ohne unsere Tiere und Pflanzen deutlich ärmer wären und uns und der Zukunft unserer Kinder damit nichts Gutes tun.

Was ist für Sie Natur?

Natur ist das, was seit Generationen hier bei uns von alleine wächst und lebt.
Natur ist da, wo Schmetterlinge und Schwalben sich wohl fühlen. Natur ist da, wo der Mensch nicht so stark eingreift.

Wo gibt es Natur in Leverkusen?

Schauen Sie, fast ganz Leverkusen ist intensiv genutzt, und daher finden Sie die Oasen der Natur nur noch in den Naturschutzgebieten von Leverkusen, von denen es leider viel zu wenige gibt. Denn nur dort, wo die Aktivitäten der Menschen draußen bleiben, gibt es heute noch ursprüngliche Pflanzen und Tiere in Leverkusen.

Nur dort?

Erfreuliche Ausnahmen sind Gärten von Menschen, die dort die Natur zulassen. Eigentlich eignet sich fast jeder Garten. Denn von der gesamten Gartenfläche wird doch meist nicht alles zum Spielen oder zum Gemüseanbau benötigt. Bei erfreulich vielen Mitmenschen habe ich die Bereitschaft vorgefunden, einen Teil des Gartens naturnah zu gestalten. Angesichts der vielen Gärten in unserer Stadt, - die zusammen viel größer sind als alle unserer Naturschutzgebiete - gäbe es dort noch viel Hoffnung für die Zukunft.

Warum ist es so wichtig, standortgerechte einheimische Gehölze in den Garten zu pflanzen?

Nun, Sie können die Natur mit einer riesigen funktionierenden Fabrik vergleichen. Hier hat sich über Tausende von Jahren eine funktionierende, faszinierende, uns ernährende „Maschinerie" entwickelt. Wie in der Fabrik hat in der Natur alles seine Aufgaben und seinen Platz (von dem unsere Wissenschaftler noch längst nicht alles verstanden haben). Jeder ist hochspezialisiert und die einzelnen Berufe erfüllen an ihrem Platz den besten Job. Was meinen Sie, was passieren würde, wenn z.B. alle Elektriker einer großen Firma plötzlich entlassen und durch Buchhalter ersetzt würden? Nicht auszudenken.
Das tun wir aber jeden Tag, wenn wir unsere Gärten und Landschaft mit nicht standortgerechten Pflanzen belasten und die ursprünglichen Arten immer mehr verdrängen. So bekommt unsere Lebensgrundlage - die Natur - immer mehr Probleme. Daher sind ein-heimische standortgerechte Pflanzen im Garten so wichtig.

Welche Wünsche haben Sie an die Zukunft ?

Dass mehr Menschen sich engagieren, sei es bei den Naturschutzverbänden mitmachen oder im eigenen Umfeld in Sachen Natur aktiv werden. 
Dazu muss nicht jeder ein Profi in Sachen Naturgarten werden, es gibt genug leicht verständliche Infobroschüren der Naturschutzverbände. Der geballten Erfahrung und den wissenschaftlichen Hintergründen kann man vertrauen und weniger falsch machen. Dass Besucher in unseren wenigen Naturschutzgebieten auf den Wegen bleiben und ihre Hunde an der Leine führen. Dann habe ich noch etwas Hoffnung an das Gute im Menschen, daran, dass die Politik sich der Verantwortung nicht entzieht, nicht den kurzfristigen Wirtschaftsinteressen einiger weniger (die nach dem Geldverdienen schnell die Region verlassen und in die „Natur" wegziehen), nachgibt, sondern im Sinne der zukünftigen Generationen handelt und nicht alles heute unwiederbringlich opfert. Ich wünsche mir, dass alle Entscheidungsträger Rückgrat beweisen in Sachen Verantwortung für die Natur.
Schließlich, das alles Entscheidende: dass die Weltbevölkerung weniger rasant wächst als bisher.

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Veröffentlichungen

Der Ornithologe Hermann Brombach hat viele seiner Beobachtungen dokumentiert und veröffentlicht. Z.B.:

  • Brombach, H. (1964): Wie alt werden Rauchschwalben. - Die Umschau, Frankfurt a. Main

  • Brombach, H. (1977): Rauchschwalben. - Selbstverlag, DBV-Ortsgruppen Köln und Leverkusen.

  • Brombach H., u. Grieser, H. (1977): Die Vogelwelt von Leverkusen. - Beiträge zur Avifauna des Rheinlandes, H. 10.

  • Brombach, H. (1979): Nicht alltägliche Rauchschwalbengeschichten.  - Selbstverlag, DBV-Ortsgruppen Köln und Leverkusen.

  • Brombach, H. (1982): Mehl- und Uferschwalben in Leverkusen. - Selbstverlag, DBV-Ortsgruppen Köln und Leverkusen.

  • Brombach, H. (1984): Aberrationen bei Rauch- und Mehlschwalben. - Die Vogelwelt, Berlin & München

  • Brombach, H. (1988): Vögel in Leverkusen. Bestandsaufnahme der 80er Jahre. - Selbstverlag.

  • Brombach, H. (2004): Die Rauchschwalbe. - Die neue Brahm Bücherei Bd. 649

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Unveröffentlichte Arbeiten

Sein besonderes Interesse galt der Vielfalt der Lebensformen und des Verhaltens der Vögel. Er hat daher dazu viele interessante Fakten in langjähriger Arbeit zusammengetragen. Diese Sammlung wird hier erstmals der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt.

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Nachruf auf Hermann Brombach

Zweimal im Jahr, im Herbst und im Frühjahr, findet man in der Zeitung eine kurze Notiz, dass für vier bis sechs Wochen das Bayerkreuz nachts mit Rücksicht auf die Zugvögel abgeschaltet wird.
Hinter diesen trockenen Zeilen verbirgt sich ein Name: Hermann Brombach.  Er hatte 15 Jahre lang mit wissenschaftlicher Akribie Zahl und Art der Totfunde unter dem Bayerkreuz festgehalten  und mit  der ihm eigenen Beharrlichkeit für die Abschaltung der für nachtziehende Vögel tödlichen Lichtquelle gesorgt.

Jetzt ist Hermann Brombach am 13. Januar im Alter von 86 Jahren gestorben. Die Leverkusener Naturschutzverbände NABU und BUND trauern um einen Mann, der sich wie kein anderer für die bedrohte Vogelwelt eingesetzt hat – in Leverkusen und weit darüber hinaus.So manches Naturschutzgebiet auf Leverkusener Boden verdankt seine Existenz seinem unermüdlichen Einsatz.

Mit der Gründung des DBV (Deutscher Bund für Vogelschutz, später in NABU umbenannt) in Leverkusen gab er vor mehr als 40 Jahren der Vogelschutzarbeit in Leverkusen einen festen Rahmen und stand auch der Erweiterung des Spektrums der Natur- und Umweltschutzarbeit durch die Gründung einer BUND-Gruppe Anfang der 80er Jahre aufgeschlossen gegenüber.
Sichtbare Spuren seiner Arbeit sind u. a. seine zahlreichen Veröffentlichungen zur Ornithologie – eine Avifauna für Leverkusen, Bücher über seine geliebten Schwalben, Veröffentlichungen in ornithologischen Fachzeitschriften u. a.
Seine Kompetenz in  Naturschutzfragen machte ihn auch für die Stadt Leverkusen – etwa bei der Aufstellung des Landschaftsplans – zu einer unumgehbaren Instanz.
Für sein außergewöhnliches Engagement in Sachen Naturschutz wurde er 1988 nach vielen vorausgehenden Auszeichnungen mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.
Für alle, die mit ihm zusammenarbeiten durften, sei es im praktischen Naturschutz, in der Verbandsarbeit oder im Beirat für Natur und Landschaft, werden drei Dinge immer mit ihm verbunden bleiben: sein profundes Wissen in allem, was  Ornithologie und Naturschutz anging, seine Bereitschaft, jederzeit und auch entgegen den politischen Meinungen  geradlinig und, wenn nötig, kompromisslos die Belange der Natur zu vertreten, und  sein unnachahmlicher, nie verletzender und in den letzten Jahren von der Weisheit des Alters getragener Humor.

Ingrid Mayer, 26.01.09

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