Wiese ist nicht gleich Wiese

Das Vorkommen verschiedener Pflanzen richtet sich nach Bodenbeschaffenheit, klimatischen Bedingungen, Lichtverhältnissen und Region. Feuchtwiesen findet man in Ufer- und Auenbereichen von Fließgewässern, in Mooren oder in Verlandungszonen von Stehgewässern. Fettwiesen weisen einen höheren Nährstoffgehalt auf und im Gegensatz dazu fehlen diese im Magerrasen. Der Boden variiert von sandig bis lehmig und von sauer bis kalkhaltig. Somit gibt es viele unterschiedliche Pflanzen, die sich den standortspezifischen Bedingungen angepasst haben, und für eine große Bandbreite an Wiesentypen verantwortlich sind. Zusätzlich zu der Vielfalt an Wiesentypen, gibt es auch innerhalb der Pflanzenarten je nach Region genetische Unterschiede.

Zum Beispiel unterscheidet sich eine Schafgarbe, die aus Leverkusen stammt von einer Schafgarbe aus München. Die Schafgarbe kommt in vielen Regionen vor, hat sich aber durch Evolution an die spezifischen Bedingungen verschiedener Gebiete angepasst. Daher kann man anhand genetischer Unterschiede, die manchmal auch in kleinen Details im Aufbau der Pflanze sichtbar sind, eine Pflanze einer bestimmten Population zuordnen. Man hat Deutschland in 22 Regionen aufgeteilt, in denen Pflanzen der gleichen Population entstammen. Dies ist bei Begrünungen von Gebieten in der freien Landschaft hilfreich, damit die dort ausgesäten Pflanzen so ausgewählt werden, sodass die natürliche Flora möglichst nicht verändert wird.

Zwei Beispiele für Wiesentypen:

Salbei-Glatthaferwiese

Dieser Wiesentyp wird wirtschaftlich als Futterwiese genutzt und zwei- bis dreimal im Jahr gemäht. Der Standort kann vom Flachland bis in die Mittelgebirgslagen variieren und je weniger gedüngt wird, desto artenreicher sind die Wiesen. Bei den trockeneren und mageren Standorten findet man man am häufigsten den Wiesensalbei und den Glatthafer als dominierende Pflanzenarten. Hinzu kommen oft u. a. Wiesenflockenblume, Margerite, Bärenklau und Schafgarbe. Die Blüten locken Schmetterlinge, Wildbienen, Hummeln und Wanzen an und auch Heuschrecken sind zahlreich vertreten. Die vielen Kleintiere dienen wiederum als Nahrung für Blindschleiche und Zauneidechse. Dieser Wiesentyp ist als Biotopart in der Roten Liste als hochgradig gefährdet eingestuft.

Mädesüß-Feuchtwiese

Merkmal dieses Wiesentyps sind feuchte Hochstaudenfluren, wobei sich verschiedene Arten abwechseln und die unterschiedlichen Nässeverhältnisse widerspiegeln. Typisch ist das Mädesüß sowie Sumpfkratzdistel, Sumpfstorchschnabel und Gilb- und Blutweiderich. Häufig haben sich diese Wiesen aus Brachestadien ehemals genutzter Wiesen entwickelt. Sie kommen in der Natur auch als Saumgesellschaft vor. Unter den Vögeln profitieren Arten wie Sumpfrohrsänger und Rohrammer und viele Amphibien, Libellen und Schmetterlinge finden hier einen geeigneten Lebensraum. Gründe für den starken Rückgang sind Entwässerung und Düngung sowie Verbuschung durch Nutzungsaufgabe.