Stadtnatur in Leverkusen-Quettingen

(2/2017) Wir, die Leverkusener Naturschutzverbände NABU und BUND weisen darauf hin, dass es weitere Bebauungspläne zwischen der „Neuen Bahnstadt Opladen“ und der Quettinger Altbausubstanz an der Feldstraße nicht geben darf.

Durch die erschreckend dicht bebaute und stark versiegelte Bahnstadt, in der auch noch zunehmend Gärten und Vorgärten ohne jegliches Grün mit Schotter, Kies und Felsblöcken gestaltet werden, ist ein Verdrängungsprozess der Flora und Fauna in die angrenzenden Grün- und Baumgrundstücke Quettingens entstanden. Wenigstens dieses Rückzugsgebiet muss der Natur erhalten bleiben. Es ist ohnehin nur noch eine kleine Insel zwischen Bahnstadt, Feldstraße, sowie Kolberger- und Borsigstraße. Ein baulicher Eingriff wäre durch nichts mehr auszugleichen, weil auch der Stadtteil Quettingen bereits stark verdichtet ist.

Ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen städtischem Wohnen und natürlichem Grün für Gesundheit und Wohlbefinden ist bereits jetzt in Leverkusen kaum noch anzutreffen. Ohne hier mit schlauen Lösungen gegen zu rudern, wird es gänzlich kippen.
Die bereits der neuen Bahnstadt Opladen gewichenen Grünflächen und Biotope zeichnen eine düstere Bilanz zwischen Eingriffen in die Landschaft und dem hilflosen Versuch, diese gesetzeskonform auszugleichen.

Wir warnen davor, jede scheinbar freie oder unbebaute Fläche in einen Bebauungsplan einzubeziehen. Bauherren und Bauträger dürfen nicht über diese Areale verfügen, nur weil sie ihr Geld investieren wollen und eine Nachfrage vorhanden ist. Der Platz für Einfamilienhäuser, aber auch für Mehrfamilien-Wohnungsbau ist in einer Gebietskörperschaft eben begrenzt.

Das Gut der naturnahen Grünflächen und des Stadt- und Stadtrandgrüns dürfen nicht zur Disposition stehen. Diese ohnehin knapp bemessenen Refugien gehören der Natur und der Umwelt, uns allen, und sie dienen dem Klima und unserer Gesundheit.
Sie dürfen auch dem verständlichen Wunsch nicht nur junger Familien nach Wohnen in der Stadt und im Grünen nicht geopfert werden.
Irgendwann ist kein Platz mehr für Bauland, weil es sich eben nicht um Freiflächen, Baulücken oder ähnliches handelt, sondern um üppig gedeihende Naturflächen, die zu unser aller Überleben in Glück und Gesundheit unverzichtbar sind.

Dieses knapp gewordene Gut städtischen Lebens muss erhalten, gepflegt und erweitert werden. Das und vieles mehr haben wir zuletzt in unserer Pressekonferenz vom 07. Februar 2017 gefordert und vor den Folgeschäden bei Missachtung solcher Grundsätze gewarnt.

Wir fordern die Politik sowie Rat und Verwaltung deshalb auf, von Plänen Abstand zu nehmen, die eine weitere Versiegelung unserer Stadt und die Verschlechterung unseres Klimas zur Folge haben.
Alle BürgerInnen und gesellschaftlichen Kräfte Leverkusens, tragen hier die Verantwortung für ihre Stadt mit und sind ebenfalls aufgefordert, sich für den Erhalt der letzten naturnahen Grünflächen einzusetzen und jeder weiteren Versiegelung entgegenzutreten, gemeinsam für eine lebenswerte Stadtnatur in Leverkusen.


So nutzen wir die Flächen in Leverkusen

Wie in vielen großen Städten ist mehr als die Hälfte der Fläche von Leverkusen vollständig versiegelt. Die genutzten Bereiche für den Verkehr benötigen mit 902 Hektar mehr Platz als für unseren Wald mit 844 Hektar.

Die Leverkusener Naturschutzgebieten machen mit 108 Hektar weniger als 1,4 % der gesamten Fläche von Leverkusen aus. Noch weit entfernt vom Durchschnitt der Städte und Regionen in NRW mit 4%.

Da kann man viele Mitbürger verstehen, die sich eine Vergrößerung dieser wunderschönen Gebiete wünschen. Ebenso auf der Wunschliste steht eine intensivere Einbeziehung der Natur in die Stadt hinein. Viele Tipps finden sie in der Rubrik Themen/Naturgärten.

Nach oben


Ein Baum ist mehr als ein Baum...

Ahnten unsere Stadtväter wirklich nicht, was auf den Baumbestand der Stadt zukommen würde, als sie so bereitwillig dem Kienbaum-Sparvorschlag zustimmten, die Baumschutzsatzung zum 1. Januar 2006 ersatzlos zu streichen?

Hofften sie wirklich auf die Einsicht der Bürger in die Notwendigkeit des Schutzes unserer natürlichen Umwelt?

Die zahlreichen Fällungen gerade alter Bäume überall im Stadtgebiet sprechen da eher eine andere Sprache. Natürlich gibt es vielerlei Gründe, einen Baum zu fällen - dazu bot auch die Baumschutzsatzung einen breiten Spielraum. Einer der entscheidenden Punkte ist aber, dass der Baumbesitzer - können wir einen Baum überhaupt -besitzen? - zu keinem wie immer gearteten Ausgleich für den Verlust mehr verpflichtet ist.

Vielleicht erinnert sich der eine oder andere noch an Frederic Vesters Fensterbuch "Ein Baum ist mehr als ein Baum". Es erschien vor mehr als zwanzig Jahren, aber es hat bis heute nichts an Aussagekraft verloren. Auf der Grundlage zahlreicher Berechnungen zur Gesamtbilanz eines einzigen erwachsenen Baums von 100 Jahren kommt er zu dem Ergebnis, dass ein solcher Baum im Laufe seines Lebens einen volkswirtschaftlichen Wert von (umgerechnet) rund 265 000 Euro repräsentiert!

Lesen Sie sein Schlusswort zu dieser faszinierenden Darstellung:
"...ein Baum ist weit mehr als ein Baum! Seine Leistungsbilanz zeigt, dass im Zusammenspiel der Natur und der Ökosysteme unseres Lebensraumes alle Glieder neben ihrem Eigenwert auch ihren Wert im Gesamtgefüge haben.

Erst wenn wir ihre Rolle im System erkennen, wird dieser Wert offenbar. Und lösen wir ein solches Glied aus dem Gefüge, so zerreißen hunderttausende unsichtbarer Fäden – weil mit ihm auch seine Rolle im System erlischt und mit dieser Rolle auch alle seine Leistungen, von denen wir ohne es zu wissen profitieren. Schaden wir den Bäumen, so schaden wir letzten Endes vor allem uns selbst."

Ingrid Mayer

Ein Jahr ohne Baumschutzsatzung...

Eine Eiche in unserer Stadt


Im Januar 2006,

im Mai 2006

und im Oktober 2006

Zu fällen einen schönen Baum
braucht’s eine halbe Stunde kaum.
Zu wachsen, bis man ihn bewundert,
braucht er, bedenk’ es, ein Jahrhundert.

Eugen Roth

Nach oben