Torfabbau stoppen

Info vom Bundesministerium für Umwelt (BMU, 14.08.2014)

Jährlich werden etwa acht Millionen Kubikmeter Torf – vorwiegend in Niedersachsen – abgebaut. Ein kleiner Teil kommt in Kosmetik und Medizin zum Einsatz, beispielsweise als Moorbäder und –packungen. Ein großer Teil wird im Gartenbau verwendet. Etwa ein Drittel verbrauchen die Hobby-Gärtner.

"Ich kann es gar nicht glauben, dass – auch in Deutschland – Moore noch vor allem zur Herstellung von Blumenerde abgebaut werden", erklärte der Staatssekretär im Bundesumweltministerium, Jochen Flasbarth, auf der Moorschutzkonferenz des NABU in Berlin.

CO2-Ausstoß senken

Durch die Zerstörung der Moore werden nicht nur die Lebensräume vieler Tiere und Pflanzen vernichtet, sondern auch hohe Mengen klimaschädlicher Gase freigesetzt. Allein aus entwässerten deutschen Mooren entweichen jährlich rund 45 Millionen Tonnen CO2.

"Das sind rund 5% der jährlichen Gesamtemissionen in Deutschland und fast 40% der Emissionen der deutschen Landwirtschaft", so Flasbarth.
Mit insgesamt 84% tragen Land- und Forstwirtschaft den größten Anteil an den Emissionen, die durch die Zerstörung von Mooren frei werden.

Moore sind nasse Landschaften mit einem Torfboden, der weitgehend aus Kohlenstoff besteht. Nasse Moore beeinflussen die Bilanz der Treibhausgase auf zwei Weisen: Sie binden Kohlenstoffe und stoßen Methan aus. Langfristig ist der klimatische Effekt der Kohlenstoffaufnahme wichtiger als der des Methan-Ausstoßes. Denn Methan wird mit einer Verweildauer von zwölf Jahren in der Atmosphäre vergleichsweise schnell abgebaut.
Wird ein Moor entwässert, dringt Sauerstoff in den Torf ein. Dadurch wird der Ausstoß von Methan gestoppt und stattdessen Kohlenstoff und Lachgas in die Atmosphäre abgegeben. Die Auswirkung auf das Klima ist hierbei 298 mal höher als bei CO2 und 12 mal höher als Methan.

Schutz der Moore rechnet sich

Im Bericht "Naturkapital und Klimapolitik" werden die gesellschaftlichen Kosten und die öffentlichen Fördergelder für verschiedene Landnutzungen auf Moorböden verglichen. Die volkswirtschaftlichen Kosten des Ackerbaus auf entwässerten Moorböden sind danach um ein Vielfaches höher als die privaten Gewinne.
Der Leiter der Studie, Prof. Bernd Hansjürgens vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung, bringt es auf den Punkt: "Wenn wir zum Beispiel 300.000 Hektar Moorböden in Deutschland wieder vernässen würden, ließen sich volkswirtschaftliche Schäden von 217 Millionen Euro pro Jahr vermeiden".

www.bundesregierung.de/Content/DE/Artikel/2014/08/2014-08-14-sommer-moore.html


Lebensraum Moor

Viele ursprüngliche Naturräume und damit Lebensräume für eine große Anzahl an Tier- und Pflanzenarten wurden durch menschliche Nutzung zurückgedrängt, zum Teil sogar komplett zerstört – so auch die Moore.

Durch zunehmende Entwässerungs-, Abtorfungs- und Kultivierungsarbeiten erfuhren die Hochmoore immer stärkere Veränderungen, die letztlich zur weitflächigen Zerstörung dieser viele Jahrhunderte lang unberührt gebliebenen Naturlandschaften führten. Die hier lebenden Spezialisten unter den Tieren und Pflanzen haben es somit schwer in unserer heutigen Kulturlandschaft. Einige dieser seltenen Arten sind zum Beispiel Torfmoose, Wollgras, Sonnentau und Moosbeere, Moorfrosch und Bekassine.

Bedeutende und sehenswerte großflächige Moorgebiete in NRW sind heute noch das Oppenweher Moor (Kreis Minden-Lübbecke), das Amtsvenn, das Burlo- Vardingholter (Kreis Borken), das Recker Moor, das Emsdetter Venn (Kreis Steinfurt), die Venngebiete im deutsch-belgischen Grenzbereich und das Große Torfmoor (Kreis Minden Lübbecke).

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Torffreies Gärtnern – was bedeutet das?

- Es bedeutet Artenschutz!

- Es bedeutet Klimaschutz!

- Es bedeutet ohne großen Aufwand einen wichtigen Beitrag leisten!

Sobald die Temperaturen steigen und der Frühling einzieht, ist die Gartensaison eröffnet und der Ansturm auf Blumen und Co. groß.

Wenn man sich auf der Suche nach der geeigneten Blumen- oder Gartenerde in einem der großen Gartencenter oder auch bei der privaten Gärtnerei um die Ecke umsieht, dann findet man ein großes Angebot an Sorten, Marken und Mischungen vor. Und man stellt leider fest, dass die große Mehrheit der Produkte Torf als (Haupt-) Bestandteil enthalten. Warum ist das so?

Torfhaltige Blumenerde ist nicht unbedingt die bessere Erde, sondern bedeutet vor allem für die Unternehmen ein gutes Geschäft. Es kann billig abgebaut und verarbeitet werden und ist durch seine nährstoffarme Beschaffenheit größtenteils unkrautfrei. Die Nährstoffe, die die Pflanzen zum Wachsen brauchen, werden im Nachhinein oft in Form von Kunstdünger wieder hinzugefügt.

Doch der Torfabbau hat dramatische Folgen für die Umwelt und das Klima. Torfabbau bedeutet die Zerstörung der Moore und damit den Verlust von vielen bedrohten Arten sowie die Freisetzung von CO2 (weltweit etwa 3 Milliarden Tonnen jährlich).

Nur noch 3% der deutschen Moore sind kaum oder gar nicht von der heutigen Moorzerstörung betroffen! Und inzwischen wird Torf sogar aus den baltischen und russischen Hochmooren nach Deutschland importiert.

Die Entstehung von Mooren durch das Torfmoos bedarf mehrerer tausend Jahre, denn die Torfschicht wächst in einem ganzen Jahr nur 1 mm! Moore sind einzigartige Biotope mit einer hoch spezialisierten Pflanzen- und Tierwelt, die in keinem anderen Lebensraum existieren kann. Werden sie durch Torfabbau zerstört, findet man diese Arten nur noch auf Roten Listen statt im Moor: Bei den Pflanzen etwa sind in Deutschland 7 moortypische Arten schon verschwunden und 40 vom Aussterben bedroht wie der Sonnentau, das Sumpfveilchen oder die Moorlilie.

Also was tun? Wenn Sie Ihren Beitrag zum Schutz der letzten Moore leisten wollen, gärtnern Sie torffrei! Nutzen Sie nachwachsende, regional verfügbare Rohstoffe:

 - Gut und günstig ist der Kompost aus dem eigenen Garten. Wer keinen Garten hat, kann Kompost auch von einem Recyclinghof beziehen. Viele geben Kompost an Privathaushalte ab.

 - Ebenfalls gut Dienste als Torf-Alternative leisten Rinden, Flachse, Tongranulate, Holzfasern und Chinaschilf.

 - Eine Alternative ist auch das Umdenken beim Gärtnern: Robuste heimische Pflanzen kommen im Gegensatz zu Exoten meist ohne aufwändige lebenserhaltende Maßnahmen aus.

Auch der Handel bietet eine ganze Reihe von Torf- Alternativen an. Eine Liste der in Leverkusen erhältlichen Produkte finden Sie unter diesem mehr Infos ...

Auf jeden Fall sollte man darauf achten, dass die Erde nicht nur “torfreduziert” sondern tatsächlich “torffrei” ist. Auch bei Bio-Erde sollte man den Inhalt überprüfen, denn Bio bedeutet nicht unbedingt “torffrei”.

Mehr Informationen zum Thema Torf finden Sie im Auszug des BUNDmagazins.

Wir wünschen viel Spaß beim torffreien Gärtnern!

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Torfmuffel werden!

Hier unsere Zusammenfassung aus dem Programm: mehr Infos ...

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