Foto: Georg Dorff

Der Star (Sturnus vulgaris)

Vogel des Jahres 2018

 
So mancher Hobbyornithologe hat wohl schon vergeblich den Himmel nach einem deutlich zu hörenden Bussard abgesucht, bis er schließlich auf einem Baum den Vogel entdeckt, der die Rufe täuschend echt von sich gibt. Schmunzelnd oder verärgert – je nach Temperament – erkennt er sofort den Allerweltsvogel, den Star.

Sein kupferfarbenes Bauchgefieder schillert je nach Lichteinfall bunt und zeigt im Schlichtkleid ein weiß gepunktetes Perlmuster; beim Weibchen glänzt das Gefieder nicht so stark, dafür sind die Bauchfedern großflächiger weiß getupft.

Nicht nur die perfekten Imitationen von Vogelstimmen, sondern auch die von Umweltgeräuschen gehören zum Repertoire des Jahresvogels: In England musste ein Fußballspiel abgebrochen werden, weil sein gekonnt nachgeahmter Schiedsrichterpfiff die Spieler zunehmend verwirrte. Aus der Mu-sikgeschichte wissen wir, dass W. A. Mozart seinen im Käfig gehaltenen Star besonders liebte, weil der das Rondo aus seinem G-Dur Klavierkonzert fast fehlerfrei nachpfeifen konnte.

Die variantenreichen, individuellen Gesangsstrophen sind keine „Starallüren“, sondern zielen darauf ab, ein Weibchen zu beeindrucken. Es entscheidet nämlich, wer der geeignete Vater für den Nachwuchs ist, und so bietet der Starenmann seinen kunstvollen Gesang natürlich vor einer Bruthöhle dar, spreizt dabei seine Flügel ab und rückt so seinen metallen glänzenden grün-blauen Bauch ins rechte Licht.
Das Weibchen polstert dann die schon mit grobem Wurzelwerk und Stroh vorbereitete Höhle mit Federn und Pflanzenteilen weich aus und übernimmt alleine das Brutgeschäft. Das Männchen beteiligt sich nur an der Fütterung der 4-6 Küken. Oft hält der „Starmatz“ noch bis zu vier weitere Höhlen in petto – man kann ja nie wissen!

Bietet die Umgebung des Brutplatzes genügend Nahrung, kann man häufig ganze Starenkolonien beobachten. Ursprünglich bevorzugte der nicht ganz amselgroße Vogel natürliche Baumhöhlen, als Kulturvogel nimmt er heute auch Mauerritzen, Spalten und Nistkästen an. Entscheidend für das Überleben der Nestlinge ist aber das Nahrungsangebot: Sie brauchen proteinreiches Futter, das ihnen die Eltern in Form von Regenwürmern, Schnecken, Heuschrecken und anderen Insekten anbieten. Der Speiseplan der erwachsenen Vögel ist etwas abwechslungsreicher: Beeren, Trauben, Oliven und andere Früchte sind neben Samen in der entsprechenden Jahreszeit beliebt, sehr zum Missfallen der Obst- und Weinbauern. Da kann der beliebte Frühlingsbote vor allem in Südeuropa ganz schnell zum „Teufelsvogel“ werden.

Auch sein Schwarmverhalten stößt nicht überall auf Bewunderung. Aber wer einmal an einem Herbstabend gesehen hat, wie aus Hunderten von Staren schnell Tausende werden, die nach einer geheimnisvollen Choreographie in gewaltigen Wolken umherwirbeln, sich vereinen und wieder trennen, um sich schließlich wie auf Kommando auf Leitungen, Dächern oder Bäumen zum Schlafen niederzulassen, der vergisst dieses Schauspiel nicht so schnell.

Warum wird ein so allgegenwärtiger Vertreter der heimischen Vogelwelt zum Vogel des Jahres gewählt? LBV und NABU weisen darauf hin, dass allein in Deutschland der Bestand in den letzten 20 Jahren um 2 Millionen Brutpaare abgenommen hat. Laut „Atlas der Brutvögel Nordrhein-Westfalens“ beträgt der Rückgang sogar 80%, so dass man den Star in die Vorwarnstufe der „Roten Liste“ aufnehmen musste.

Entscheidend für diese Abnahme in NRW ist weniger ein Mangel an potenziellen Brutplätzen, sondern eher der Verlust an Nestlingsnahrung. Die Ursachen sind für jeden, der seine Umgebung aufmerksam wahrnimmt, erkennbar: Grünland wird immer intensiver bewirtschaftet oder entwässert, Milchvieh immer öfter ganzjährig im Stall gehalten, wo die Stare nicht mehr die Rücken der Tiere nach Insekten absuchen können, Gülle und Kunstdünger werden an Stelle von Stallmist ausgebracht und die noch vorhandenen Kuhfladen werden aufgrund von Medikamentenbeigaben im-mer steriler.

Trotz oder gerade wegen dieser alarmierenden Entwicklung kann das Anbringen von Nistkästen in Naturgärten durchaus hilfreich sein. Schaut man sich aber in Leverkusen um, bestehen ernste Befürchtungen, dass sich der unheilvolle Trend, die Vorgärten mit Schotter und Steinen pflegeleicht zu gestalten, auch auf die Gärten erstreckt.

Halten Sie dagegen, decken Sie dem „schillernden Schwätzer“ und der übrigen Vogelschar den Tisch, indem Sie beispielsweise heimische, beerentragende Hecken pflanzen und vor allem: verziichtens Sie  auf Pestizide!
(Waltraud König-Scholz)


PRESSEMITTEILUNG NABU NRW | NR 61/17 | 12.10.2017

NABU und LBV: Star ist Vogel des Jahres 2018

Das Imitationstalent unter den Vögeln wird immer seltener

Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) und sein bayerischer Partner LBV, Landesbund für Vogelschutz, haben den Star (Sturnus vulgaris) zum „Vogel des Jahres 2018“ gewählt. Auf den Waldkauz, Vogel des Jahres 2017, folgt damit ein Singvogel.

„Der Star ist bekannt als Allerweltsvogel – den Menschen vertraut und weit verbreitet. Doch seine Präsenz in unserem Alltag täuscht, denn der Starenbestand nimmt ab. Es fehlt an Lebensräumen mit Brutmöglichkeiten und Nahrung – insbesondere verursacht durch die industrielle Landwirtschaft“, sagt Heinz Kowalski, NABU-Präsidiumsmitglied. Eine Million Starenpaare haben man alleine in Deutschland in nur zwei Jahrzehnten verloren. Jetzt gelte es, den Star durch praktischen Naturschutz und Sicherung des Lebensraums zu unterstützen.

Der Bestand des Stars in Deutschland schwankt jährlich zwischen 3 und 4,5 Millionen Paaren, je nach Nahrungsangebot und Bruterfolg im Vorjahr. Das sind zehn Prozent des europäischen Starenbestandes, der bei 23 bis 56 Millionen liegt. Trotzdem ist der schillernde Geselle ein typisches Beispiel für den stillen Rückgang der häufigen Vogelarten, denn sein Bestand nimmt stetig ab. In der aktuellen deutschlandweiten Roten Liste ist der Star sogar direkt von „ungefährdet“ (RL 2007) auf „gefährdet“ (RL 2015) hochgestuft worden, ohne auf der Vorwarnliste zu stehen.

Auch in Nordrhein Westfalen haben sich die Starenbestände in den letzten Jahrzehnten deutlich verringert. In der Roten Liste der Brutvögel Nordrhein-Westfalens von 2008 wurde der Star deshalb in die Vorwarnliste aufgenommen. Dabei gilt der Star im Niederrheinischen Tiefland schon als gefährdet, während er im Weserbergland noch als ungefährdet eingestuft wurde.
Insgesamt ist der Star in NRW mit 155.000 – 200.000 Brutpaaren flächendeckend vertreten. In den großen, geschlossenen Waldgebieten der Mittelgebirge und im Tiefland ist er jedoch seltener anzutreffen oder fehlt dort auch stellenweise, was zumeist auf eine mangelhafte Lebensraumausstattung zurückzuführen ist.

Gründe für seinen Rückgang sind der Verlust und die intensive Nutzung von Weiden, Wiesen und Feldern, auf denen der Star nicht mehr genug Nahrung wie Regenwürmer und Insektenlarven findet. Werden Nutztiere nur im Stall gehalten, fehlt der Mist, der Insekten anlockt. Biozide und Agrochemikalien vernichten zudem weitere Nahrungstiere. Im Sommer und Herbst schätzen Stare zusätzlich Früchte und Beeren. Doch beerentragende Hecken zwischen den Feldern sucht man vielerorts ebenfalls vergebens. Auch mangelt es oft an geeigneten Nistplätzen dort, wo alte Bäume mit Bruthöhlen entfernt werden.

Angepasst hat sich der Star an die Stadt: Der urbane Geselle nutzt Nistkästen oder Hohlräume an Dächern und Fassaden zum Nestbau. Parkanlagen, Friedhöfe und Kleingärten liefern ihm Nahrung. Doch auch dort droht ihm Lebensraumverlust durch Bauvorhaben, Sanierungen oder Verkehrssicherungsmaßnahmen.

Abhängig von seinem Lebensort ist der Jahresvogel Kurzstreckenzieher, Teilzieher oder Standvogel. Mitteleuropäische Stare ziehen im Herbst zum Großteil bis in den südlichen Mittelmeerraum und nach Nordafrika. Die maximale Zugstrecke liegt bei 2.000 Kilometern. Die viele tausend Tiere umfassenden Schwärme, der sich zum Abflug oder Rast sammelnden Stare, sorgen alljährlich für Aufmerksamkeit und sind ein beeindruckendes Naturschauspiel während des herbstlichen Vogelzugs. Immer mehr Stare verzichten aber auf lange Reisen und überwintern vor allem im Südwesten Deutschlands.

Bekannt ist der Star bei vielen Menschen aber auch noch für eine andere Fähigkeit - sein Talent zur Imitation von Umgebungsgeräuschen. Neben anderen Vogelstimmen kann der Star unter anderem Handyklingeltöne, Hundebellen oder Alarmanlagen perfekt nachahmen und in seinen Gesang einbauen.