Die Goldene Acht (Colias hyale)

Ebenso wie der Zitronenfalter gehört auch die Goldene Acht zu den Gelblingen, die eine Unterfamilie der Weißlinge bilden. Die Arten der großen Gattung Colias tragen auf der Hinterflügelunterseite kreisförmige Zeichnungselemente. Bei der Goldenen Acht ist diese goldgelbe Zeichnung, die der Ziffer 8 ähnlich sieht, als namensgebendes Merkmal besonders deutlich ausgeprägt.

Die Goldene Acht ist eine sehr mobile Art und neigt zum Wandern. Möglicherweise war sie in der Niederrheinischen Bucht nie richtig bodenständig. Als typische Offenlandart bewohnt sie Böschungen an Flussläufen und Wegen, Felder, Wiesen und Weiden, sowie Brachen unterschiedlicher Art. Die Raupen leben an Luzerne, Hopfenklee, Weiß- und Rotklee sowie Wickenarten. Bei allen diesen Pflanzen handelt es sich um Schmetterlingsblütler (Leguminosen), die wegen ihrer Fähigkeit zum Stickstoffsammeln nährstoffarme Standorte besiedeln. Einige Arten werden deswegen gerne als Gründünger eingesetzt. In früheren Jahren, als der Einsatz von Kunstdüngern noch nicht so verbreitet war, wurde dieses Verfahren in der Landwirtschaft häufig angewendet. Besonders die Luzerne wurde darüber hinaus auch zur Viehfuttergewinnung angebaut. In unserer intensiv gedüngten Landschaft werden die Leguminosen dagegen mehr und mehr zurückgedrängt und damit auch Falter wie die Goldene Acht. Deswegen wird die Art auf der Roten Liste für die Niederrheinische Bucht zu Recht als gefährdet eingestuft.

Als Wärme liebende Art profitiert die Goldene Acht aber auch von heißen Sommern, wie wir sie in den Jahren 2003 und 2006 erlebt haben. Plötzlich tauchten die Falter an vielen Stellen in Leverkusen auf. Besonders im Bereich der ehemaligen Bullenwiese, wo es noch eine Reihe von Magerrasen mit spärlicher Vegetation gibt, konnte man auch Raupen finden.

Häufig wird aber nach der Berechtigung für Lebensräume solcher Arten in unserer Landschaft gefragt. Sollen wir in einer Landschaft, die von Natur aus bewaldet ist, überhaupt Biotope für Arten des Offenlandes berücksichtigen?

Ich glaube, wir haben grundsätzlich eine Verpflichtung, den Arten, die unsere Kultur seit über 1000 Jahren begleiten, auch weiterhin einen Lebensraum zu sichern. Dies gilt umso mehr, da wir ja nicht einmal mit absoluter Sicherheit wissen, ob es nach der letzten Eiszeit überhaupt jemals zu einer geschlossenen Bewaldung Mitteleuropas gekommen ist. Manche Wissenschaftler vertreten die Ansicht, dass durch menschliche Einwirkung seit der letzten Eiszeit einige Bereiche in unserer Landschaft immer waldfrei geblieben sind. Auch hat es in den Kiesablagerungen unserer großen Flüsse von Natur aus immer Strukturen des Offenlandes gegeben. Ob die Goldene Acht nun aus den asiatischen Steppen mit der Ausbreitung des Ackerbaus eingewandert ist oder auf den Kiesbänken von Europas Strömen heimisch war, wir sollten für alle Arten des Offenlandes nährstoffarme Ersatzbiotope in ehemaligen Kiesgruben, Dünen- und Heidegebieten sowie im Uferbereich der großen Flüsse sichern.

Karl-Heinz Jelinek

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