Die Wildbienenexpertin Betina Küchenhoff bei den Wildbienenhotels des NaturGut Ophovens

Im Garten kommt es auf die richtige Mischung an

„Ein gutes Wildbienenhotel im Garten ist toll, aber ein Wildbienenhotel ohne die richtigen Nahrungspflanzen für die fleißigen Bestäuber ist sinnlos!“ bilanzierte die Wildbienenexpertin Betina Küchenhoff bei dem sehr gut besuchten Wildbienenkurs am 7.9.2018 auf dem NaturGut Ophoven. Wie aber kann jeder einfach für das richtige Nahrungsangebot im Garten sorgen. „Eigentlich ist es ganz einfach: nehmen Sie die Ursprungsform unserer einheimischen blühenden Pflanzen. Goldnessel, Glockenblume, Hornklee, Kamille, Lungenkraut, Malve, Wilde Möhre, Wegwarte oder Wiesensalbei erfreuen unser Auge und bieten jede Menge Nektar und Pollen für unsere Helfer im Garten: die ungefährlichen Wildbienen“ informierte Ingrid Mayer die Sprecherin des BUND Leverkusen. Auf Zuchtformen mit gefüllten Blüten kann man getrost verzichten, denn die sind für die sympathischen kleinen Summer unbrauchbar. Küchenkräuter dagegen kann man auch auf dem Balkon einmal ausblühen lassen, sie sind bei den Wildbienen sehr begehrt.

Und damit die Wildbienen auch Nachwuchs bekommen können, kann jeder im Garten kreativ gestaltete Wildbienenhotels aufstellen. „Die Wildbienennisthilfen auf dem NaturGut Ophoven bieten jede Menge Beispiele und Tipps, wie man es zuhause richtig machen kann“ zeigte Betina Küchenhoff beim Rundgang der Veranstaltung der Leverkusener Naturschutzverbände NABU und BUND auf. Und so sieht das ideale Wildbienenhaus aus: sauber gebohrte Löcher in senkrechte Holzstämme aus Eiche, Buche oder am besten Esche. Aufgestellt werden soll es nach Süden ausgerichtet, fest angeschraubt und gegen Nässe geschützt. Jede Wildbienenart braucht – an ihre Größe angepasst - verschiedene Lochgrößen. In unseren Gärten sind dies hauptsächlich Lochgrößen von 3-8 mm Größe – für die Geflügelten mit so wohlklingen Namen wie gehörnte Mauerbiene, Glockenblume-Scherenbiene oder auch die Mörtelbiene, vor denen übrigens keiner Angst haben muss, denn sie haben keinen Stachel und können daher nicht stechen.

Wichtig beim Bau des Wildbienenhotels ist, dass die Löcher sauber gebohrt sind - also keine Fasern in das Loch hineinragen. An diesem könnten sich sonst die jungen Bienen, die im nächsten Jahr ausschlüpfen werden, verletzen. Aber nicht nur gebohrte Hölzer eignen sich als Nistplatz für die Wildbienen sondern auch hohle Stängel vom Schilf oder vom Bambus. Diese können dann in die Hohlräume zwischen den Hölzern eingebracht werden. Und noch ein ganz anderes Material ist auch geeignet für das Wildbienenhaus - Lehm oder Ton. Aus gut bindendem Lehm lassen sich Lehmziegeln leicht selber formen, in die man am besten dann für die Bienen schon einige 10cm tiefe Löcher hinein drückt. Oder einfach eine kleine Stelle lehmiger Erde im Garten frei halten:  70% aller Wildbienen legen ihr Nest in der Erde an und dort wächst der Nachwuchs behütet auf.

Warum aber sind die Wildbienen im Garten so wichtig? Wir wissen seit langem, dass wir ohne Bienen auf einen großen Teil unserer Erträge im Garten oder in der Landwirtschaft verzichten müssten. Denn die Wildbienen sind unverzichtbare Partner des Menschen bei der Bestäubung. Und inzwischen weiß man sogar, dass die fleißige Honigbiene zwar ein Großteil dieser Arbeit macht, aber das große Heer ihrer einzeln lebenden Verwandten – die Single- oder Wildbienen - einen deutlich größeren Anteil an der Bestäubungsleistung an unserer Blütenpflanzen hat. Um Nahrung für nur eines ihrer Eier zu finden, besucht die fleissige Wildbiene über 100 Blüten und sorgt so für die Bestäubung. So gesehen ist das Aufstellen eines Wildbienenhauses im Garten nicht nur eine aktive und einfache Maßnahme zum Schutz unserer Natur sondern auch ein leckerer Beitrag für herrliche Kirschen, Äpfel, Himbeeren oder Johannisbeeren im Herbst.

Im eigenen Garten sind der Gestaltung der Löcher des Wildbienenhotels keine Grenzen gesetzt: ihr eigener Namen, ein Herz, eine Blum, ein Schmetterling, ...!


Wildbienen und -wespen

In Deutschland gibt es über 500 verschiedene Wildbienen-Arten, die jeweils nicht in großen Staaten, sondern allein leben. Jedes Wildbienen-Weibchen sucht oder baut eine Brutzelle und deponiert darin einen Vorrat aus Nektar und Blütenstaub. Ist genügend Proviant vorhanden, legt die Einsiedlerbiene ein Ei darauf ab und verschließt die Brutzelle. Die aus dem Ei schlüpfende Larve ernährt sich selbständig vom Futtervorrat und verpuppt sich anschließend.

Die Bedeutung der Wildbienen und Wildwespen für die Natur und den Menschen ist immens, denn sie bestäuben unzählige Wild- und Nutzpflanzen. So werden Gurken, Tomaten oder auch die Obstbäume von ihnen bestäubt. Und einige Arten haben sich sogar auf bestimmte Pflanzen spezialisiert.

Mit Hilfe von „Bienenhotels" kann man das spannende Brutgeschäft der einzeln lebenden Wildbienen und-wespen unterstützen und live beobachten. So kann so mancher eine positive Beziehung zu den Insekten im Allgemeinen aufbauen. Bienenhotels passen auf jeden Balkon und jede Terrasse. Und alle Bewohner sind absolut friedlich und: Niemand braucht Angst vor ihnen zu haben.


Schulprojekt "Mit Bienen in die Zukunft" in Chinandega


Fünf Jahre ist es her, seit sich die Schüler des Weltdekadeprojekts  „Mit Bienen in die Zukunft“ der Gesamtschule Schlebusch dazu entschlossen haben, ihre Arbeit auch global auszuweiten. In Kooperation mit der Eine-Welt-Initiative „Horizontes“ wurden 2013 alle wichtigen Kontakte und Voraussetzungen geschaffen, um die Pläne auch in die Tat umzusetzen. Am Rande von Chinandega, der Partnerstadt Leverkusens in Nicaragua, übt sich seitdem die Kleinbäuerin Antonia Najeraz  im Umgang mit Bienen. Hauptziel der dortigen Projektarbeit ist es geworden, sie zur selbstständigen Imkerin auszubilden. Mit  der Ernte und dem Verkauf von Honig soll ihr die Möglichkeit gegeben werden, das Einkommen ihrer sechsköpfigen Familie nachhaltig aufzubessern. Dass dies ungleich schwerer ist als im entfernten Europa, erklärt sich allein schon daraus, dass sich in Mittelamerika spätestens ab den 1980er Jahren mit der Ausbreitung der oft als „Killerbiene“ bezeichneten Variante unserer Honigbienen erschwerte Bedingungen zum Start in eine Imkerei ergeben haben.

Am 26. Oktober 2015 konnte das Team endlich mit einem Infoabend in der GLS der Öffentlichkeit eine erste Zwischenbilanz vorstellen. Es präsentierte ein ebenso unterhaltsames wie informatives Programm. Den Auftakt machten die Schüler Nils Ecker und Denijel Hiesdorf mit ihrem eigens zum Abend komponierten Gitarrensong. Höhepunkt war aber dann der anschauliche Dokumentationsbericht von Kim Klein und Johanna Kirschke-Biller, die ihre Zeit zwischen dem Abitur und dem Studienbeginn mit einem Jahrespraktikum in der Entwicklungshilfe überbrückt hatten. Ihrer lebhaften Berichterstattung schlossen sich eindrucksvolle Videoaufnahmen an, die dem staunenden Publikum vor Augen führten, dass die Imkerei mit Killerbienen sehr wohl möglich ist und zudem auch noch sehr erfolgreich sein kann.
Darüber hinaus wurde deutlich, wie sich an Schulen mit dem Thema „Bienen“ innerhalb des regulären Unterrichts eine Bildung zur nachhaltigen Entwicklung nicht nur lokal, sondern ebenso global verwirklichen lässt. Hier ist die GLS bisher die einzige Schule, die einen Weg gefunden hat, Bienenschutz und Entwicklungshilfe miteinander zu verbinden.

Wie soll es in Nicaragua aber nun weitergehen ohne Kim und Johanna?
Auch in dieser Angelegenheit  haben sich die beiden vorausschauend verdient gemacht.  Im Frühjahr 2015 noch vor ihrer Abreise aus Nicaragua haben sie dafür gesorgt, dass Mynor Espinosa, der Sohn des Koordinatorenehepaars, ihre Arbeit bei der Kleinbäuerin weiterführen wird.
Der spätere Deutschlandbesuch der Familie Espinoza zur Sommerzeit in Leverkusen ermöglichte es zudem, dass am Bienenstand des NaturGuts Ophoven alle wichtigen Aspekte der weiteren Ausbildung abgesprochen werden konnten.

Abgerundet wurden die Präsentationen an dem Infoabend mit der Klärung der Frage, wie das denn nun alles finanziert werden kann. Die Antwort war schnell verkündet: Mit den eigenen Mitteln aus der Projektkasse. Und die füllt sich nicht nur mit Spenden wie der der Naturschutzverbände BUND und NABU, sondern vor allem durch den Erlös der eigenen Projekterzeugnisse wie Honig, Wachs, Nisthilfen und bienenfreundlichen Pflanzen. Stolz und glücklich zugleich überreichten die Projektsprecher aus dem 7. Jahrgang, Tim Hausmann und Lena Virnich, dem Kooperationspartner „Horizontes“   ihren mittlerweile zweiten Scheck zur Weiterfinanzierung der imkerlichen Ausbildung.

Den Abschluss des Abends bildeten schließlich verschiedene Stationen rund um die Themen Bienen, Artenschutz und Entwicklungshilfe. Hier nutzten viele Besucher noch einmal die Gelegenheit zum  Informationsaustausch. Da an dem Abend niemand mit leeren Händen den Heimweg  antreten sollte, hatten sich die Projektteilnehmer auch hier etwas ganz Besonderes einfallen lassen: An alle Gäste verteilten sie Äpfel als symbolische Geschenke von den Bienen, denn schließlich sichern uns Bienenfleiß und Bestäubungsdienste den allergrößten Teil unserer Obsternten.

Weitere Infos einschließlich unserer Videodokumentation aus Nicaragua: www.mit-bienen-in-die-zukunft.de

"Ernte" des Honigs
Verkauf des Honigs am Infostand

Schulprojekt „Mit Bienen in die Zukunft“

Nach der wiederholten Auszeichnung des Projektes des Naturwissenschaft-Kurses der Gesamtschule Schlebusch und ihres Lehrers Reinhold Glüsenkamp als UNESCO-Dekadeprojekt „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ nahm die BUND-Kreisgruppe Kontakt mit den Teilnehmern auf. Als Elternvertreterin freue ich mich sehr, das Projekt näher vorstellen zu dürfen.

Der Begriff der Nachhaltigkeit prägt unsere Medienlandschaft, doch was verbirgt sich dahinter? Die Projektteilnehmerinnen und –teilnehmer lernen diesen Begriff am Beispiel der Bienen kennen. Sie wissen, dass Bienen als Bestäuber vieler Kulturpflanzen eine große Bedeutung für die Menge der geernteten Nahrungsmittel zukommt. Dass in unserer heutigen Umwelt häufig nicht mehr ausreichend verschiedene Pflanzen mit unterschiedlichen Blütezeiten wachsen, um die Bienen zu ernähren, lernen die Schüler.

Soweit die Theorie. Nachhaltigkeit erfordert aber auch Handlungsorientierung. Es gilt: Nur was ich kenne, mag ich; und nur was ich mag, (be-)schütze ich.
Als Konsequenz aus dieser Erkenntnis gibt es an der Schule zwei Bienenvölker, um die sich die Schüler mit ihrem Lehrer und Hobbyimker kümmern. Wenn die Schüler zum ersten Mal eine Wabe in der Hand halten, steht noch eine gehörige Portion Respekt oder gar Unbehagen in dem einen oder anderen Gesicht. Doch schon bald überwiegen Stolz und die Faszination, die Bienen ausüben. Im Jahresverlauf folgt das „Highlight“: Die Waben werden aus dem Stock entnommen und danach der Honig mit einer Handschleuder „geerntet“.

Die Schülerinnen und Schüler arbeiten im schuleigenen Bienengarten, pflanzen und pflegen dort bienenfreundliche (Tracht-) Pflanzen, wie z. B. Apelbäume, Him- und Brombeersträucher, Wildkräuter (z. B. Löwenzahn ist willkommen), Stauden (z. B. Königskerzen, Mädchenauge, Sonnenhut) oder auch Einjährige wie die Sonnenblumen. Im Schulgelände sind auch Ahorn, Linde und ein Bienenbaum als Trachtbäume gepflanzt worden. Mit dem NaturGut Ophoven besteht eine Kooperation, auch dort sind die Schüler im Bienengarten tätig, pflanzen Trachtbäume oder kennzeichnen die Trachtbäume für die interessierten Besucher.

Im Unterricht und bei den Besprechungen eines kleinen Gremiums, dem auch zwei Elternvertreter angehören, werden die Projektideen gemeinsam weiterentwickelt. Vor etwa zwei Jahren entschieden die Schüler, das Interesse an Bienen und Bienenschutz nicht nur in ihrem eigenen Umfeld zu wecken, sondern überlegten sich Wege, wie sie noch mehr Menschen erreichen könnten. Schnell kamen sie auf den Gedanken, zusätzlich zu einem Stand am „Tag der offenen Tür“ der Schule, auch z. B. mit einem Stand am „Kindertag“ in der Schlebuscher Fußgängerzone oder bei Großveranstaltungen auf dem NaturGut Ophoven vertreten zu sein. Sie entwarfen einen Fragebogen (z. B. „Wo haben es die Bienen leichter – in der Stadt oder auf dem Land?“ oder „Helfen Bienen uns Menschen?“), um damit eine Hilfestellung bei den vielen Geprächen mit fremden Erwachsenen zu haben. In Kooperation mit dem Imkerverein Leichlingen wurde der Flyer „Bienenfreundliche Gärten“ entwickelt, der u. a einen Blütezeitkalender mit attraktiven Pflanzen für Garten- und Balkonbesitzer enthält. Beim Motto „Ohne Bienen keine Früchte“ verteilten die Schüler ihn zusammen mit Äpfeln oder Fruchtbonbons in der Opladener und Schlebuscher Fußgängerzone.

Mit der Beteiligung an den Aktionstagen der UNESCO wurde der schuleigene „Nachhaltigkeitshonig“ verkauft. Da Nachhaltigkeit auch globales Denken beinhaltet, war schnell die Idee geboren, sich mit dem eingenommenen Geld für Bienen in ärmeren Ländern einzusetzen und dies mit sozialem Engagement zu verbinden. Wege dafür öffnete die Kooperation mit dem schuleigenen Eine-Welt-Verein „Horizontes“, der schon in Nicaragua (Zentralamerika) und in Burkina Faso (Afrika) mit eigenen Projekten tätig ist. Dadurch ließen sich Ansprechpartner finden, die sich für die Idee begeistern konnten. In Nicaragua sollen Kleinbauern in Imkerei geschult werden und durch die Honigproduktion eine zusätzliche Einnahmequelle erhalten. Etwas anders ist die Situation in Burkina Faso, so berichtet unser Koordinator Alfred Ouoba. Hier sollen Frauen die Möglichkeit erhalten, durch die Imkerei ein eigenes Einkommen zu erzielen. Gleichzeitig wird zum Schutz der Bienen eine nachhaltig wirtschaftende Bienenhaltung angestrebt, denn leider ist es vielerorts in Afrika üblich, dass bei der Honigernte ein großer Teil des Bienenvolks nicht überlebt.

Bei den Schülern liegt jetzt das Augenmerk neben dem Bienenschutz auch auf der Einnahme von weiteren Spenden, um die globalen Projekte langfristig zu unterstützen. In diesem Jahr produzierten sie bienenfreundliche Pflänzchen, die gegen Spende abgegeben wurden, und pflanzten mit Kindern Sonnenblumen in kleine Töpfe. Im September dieses Jahres wurde das gemeinsame Trommeln mit dem Koordinator aus Afrika zu einem unvergesslichen Erlebnis.

Die Spende durch den BUND sorgte mit dafür, dass in diesem Sommer der erste Kleinbauer in Nicaragua zwei Bienenvölker erhielt. Vielen Dank dafür!

Link zu: www.gesamtschule-schlebusch.de 

Link zu: www.mit-bienen-in-die-Zukunft.de

Andrea Bolz-Küster

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