Wilhelm Eder am fast fertigen Nistkasten

Wohnungsbau 2015 für Turmfalken

Der hohe Kirchturm der alten Kirche in Manfort bietet einen idealen Brutplatz für den Turmfalken. Leider war die Brutkiste in luftiger Höhe in die Jahre gekommen, so dass ein kompletter Neubau anstand. Kein Problem für den erfahrenen NABU-Aktiven Wilhelm Eder, der zusammen mit dem Turmfalkenexperten Hans-Martin Kochanek eine neue Heimat für die Turmfalken baute. Die Grundfläche des  Nistkastens beträgt ca 40*60 cm und die Höhe ist 30cm. Als Einflug reicht den schnellen Luftjäger ein Loch in der Größe einer Postkarte. Wir hoffen, dass die Falken schon in der diesjährigen Brutzeit wieder ihre bis zu 6 Jungen in den restaurierten Kasten aufziehen können.


Turmfalken in Leverkusen

Turmfalken sind vielen auch als Rüttelfalke bekannt. Man sieht sie häufig in 2o Metern Höhe in der Luft "stehen". Sie schlagen dabei mit einer sehr hohen Frequenz mit den Flügeln und können durch diesen "Rüttelflug" über den Mauslöchern in der Luft "stehen". So können sie - für ihre Leibspeise die Mäuse unsichtbar - warten bis diese ihren Bau verlassen und sie dann fangen.

Turmfalken brüten gern auf Kirchtürmen, hohen Häusern oder auch in Fabrikanlagen. Viele dieser Gebäude haben inzwischen keine offenen Nischen mehr, so dass die Turmfalken bei uns einen Mangel an geeigneten Burtplätzen haben. Der NABU Leverkusen hat daher zusammen mit der NABU-Naturschutzstation Leverkusen-Köln an vielen Gebäuden in Leverkusen Nistkästen für die Turmfalken angebracht, die diese gerne zur Brut nutzen.

 


Bruterfolg 2014 in Leverkusen

Ein neues Gebäude hat den bisherigen Brutplatz des Turmfalken in "der Schönen Aussicht" 2013 verstellt. Nach vielen Gesprächen mit dem Hausbesitzer konnte erreicht werden, dass im Herbst 2013 am neuen Gebäude wieder ein Turmfalken-Nistkasten mit einem schützenden Kotbrett angebracht wurde. Unsere Freude war groß, als wir Mitte des Jahres beobachteten, dass die Turmfalken dieses neue Nistangebot angenommen hatten (weitere Bilder: rechts klicken)

Fünf junge Turmfalken sind zu sehen

Junger Turmfalken und sein Schatten

Die Jungen sind schon ausgewachsen, werden aber noch von ihren Eltern am Nest gefüttert

Sie trainieren und kräftigen ihre Flugmuskulatur für den Tag des Ausfluges

Wo bleibt das Essen?


Der Turmfalke

Vogel des Jahres 2007

Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) und der Landesbund Bayern für Vogelschutz (LBV) haben diesen kleinen Verwandten des allerersten Jahresvogels (1971 war es der Wanderfalke) ausgewählt, um den Greifvogelschutz wieder verstärkt ins Bewusstsein zu rücken, und um auf die Bedeutung der Stadt als Lebensraum hinzuweisen.

Der zierliche Falke ist der einzige unter den Taggreifen, der seit der Urbani-sierung zunehmend diesen neuen Lebensraum erobert hat. Dabei beschränkt er sich längst nicht mehr auf Türme, die ihm den Namen eingebracht haben, sondern brütet auch an Betonwänden, Schornsteinen, Fördertürmen stillge-legter Zechen oder - wie in Leverkusen - an und in Bauten auf dem Gelände des Bayerwerks. Dr. Hans-Martin Kochanek und Hermann Brombach, Ornithologen und aktive Naturschützer in Leverkusen, haben das in einer Doktorarbeit bzw. einer Bestandsaufnahme der Vögel in Leverkusen eindrucksvoll nachgewiesen.

Als ursprünglicher Felsenbewohner baut der Falke kein eigenes Nest, er legt seine Eier auf geeignete Unterlagen in Nischen und Spalten oder übernimmt - häufig in Konkurrenzkampf mit Dohlen - verlassene Krähen- und Elsternnester. Da er gerne den Überblick behält, besetzt er auch Nistkästen an Gebäuden oder Brückenpfeilern, wenn sie nur hoch genug angebracht sind.

Bevor es aber zur Ablage der 3-7 rotbraun gefleckten Eier kommt (die Zahl hängt vom Nahrungsangebot ab), bietet sich dem aufmerksamen Beobachter Mitte März ein Schauspiel der besonderen Art: Hat ein lediges Männchen einen Nistplatz gefunden, steigt es wie ein Pfeil hoch in den Himmel, stößt seine hellen Rufe aus (der wissenschaftliche Name tinnunculus bedeutet "schellend, klingend"), lässt sich wieder fallen, kreist elegant und wiederholt das Ganze so lange, bis ein Weibchen aufmerksam geworden ist und sich nicht weniger akrobatisch an den Flugspielen beteiligt. Der Gleichtakt der Bewegungen ist sozusagen ein Test für die häufig lebenslange Harmonie oder - wie Vitus B. Dröscher meint - "ein Flugtanz als Eheprobe".

Etwa 30 Tage brütet das Weibchen allein, nach dem Schlüpfen werden die Jungen etwa 4 Wochen von beiden Partnern gefüttert und noch 4 weitere Wochen begleitet und mit Nahrung versorgt.

Da ein Jungfalke täglich bis zu 6 Mäuse verzehrt, kann man sich den Stress der Eltern gut vorstellen. Ihre Jagdweise, die zu ihrem volkstümlichen Namen "Rüttelfalke" geführt hat, lässt sich mit etwas Glück und viel Geduld auch in der näheren Umgebung Leverkusens beobachten. Der etwa 35 cm große Vogel "hängt" in der Luft und sucht von dort aus mit seinen dunklen Augen den Boden nach Beute ab, wobei er sich gegen den Wind stellt, um in der Luft zu bleiben. Der hellblaugrau gefärbte Schwanz mit schwarzer Endbinde (beim Weibchen ist er rostbraun und quergebändert) wird ebenso breit ausgefächert wie die unterseits gelblichen Handschwingen; so kann der Vogel seine Fluggeschwindigkeit der des Windes durch fein bemessene Ausgleichsbewegungen (das "Rütteln") genau anpassen und scheint dann tatsächlich in der Luft zu stehen - nur ein Kolibri macht das noch perfekter.

Im schnellen Stoßflug greift er die erspähte Beute zielsicher mit seinen scharfen Krallen.

Die Anpassung an den Lebensraum Stadt, in dem es nur noch selten freie Flächen gibt, ermöglicht dem nur etwa 260 gr schweren Vogel mit dem zimtbraun gefärbten Gefieder und dem blaugrauen Oberkopf und Nacken (nur beim erwachsenen Männchen) auch von einem Ansitz aus - etwa dem Peitschenmast einer Straßenlaterne - seinen Überraschungsangriff zu starten.

Feld- und Wühlmäuse sind die bevorzugte Nahrung des geschickten Jägers, müssen aber in der Stadt ab und an durch Kleinvögel, Insekten oder gar Regenwürmer ersetzt werden.

Turmfalken sind mit etwa 90.000 Brutpaaren im gesamten Mitteleuropa vertreten, in Deutschland leben knapp 50.000 Paare, davon 5.000-6.000 in Nordrhein-Westfalen. Wenn der Jahresvogel - anders als seine nahen Verwandten, Wander- und Gerfalken - auch nicht als Jagdfalke interessant ist oder - wie Sperber und Habicht - schießfreudigen Jägern zum Opfer fällt, ist sein Bestand doch in einigen Regionen rückläufig. Damit dieser den meisten Menschen vertraute kleine Greifvogel nicht in der schon viel zu langen Liste der bedrohten Vogelarten auftaucht, muss der schon so oft geforderte Umbau der modernen Landwirtschaft, die nachweislich die Artenvielfalt reduziert, erfolgen. Aber auch Städteplaner, Hausbesitzer und Kommunen können dazu beitragen, Nistmöglichkeiten zu erhalten oder neu einzurichten, indem sie nicht alle Flächen mit Straßen und Gebäuden überziehen und Nischen und Hohlräume aus übertriebener Hygiene verschließen. Bauern, die ihre Flächen so bewirtschaften, dass sich auch Mäuse dort wohlfühlen, brauchen keine Angst vor einer Plage zu haben, denn den scharfen Augen der fliegenden "Mäusepolizei" entgeht nichts!


Waltraud König-Scholz