Aktiv im Greifvogelschutz

 
Früher wurden sie auch „Raubvögel“ genannt, unsere Greife, die mit ca. 290 Arten weltweit verbreitet sind. Sie sind fast allesamt Beutegreifer und keine Räuber, wenngleich das eine oder andere unbehütete Hühnchen dem Habicht mundet. Unterteilt sind sie in Adler, Geier, Habichte, Milane, Weihen, Bussarde und Falken. Aber auch die Aas fressenden Geier gehören zu ihnen.

In Leverkusen und Umgebung sind sie nicht alle verbreitet. Hier finden wir am häufigsten den Mäusebussard und den Turmfalken, aber auch Wanderfalke, Habicht und Rotmilan sind anzutreffen, sogar der Fischadler wurde gesichtet.

Alte und hohe Baumbestände sowie Mauerauslässe sind eine Voraussetzung für den Erhalt und die Verbreitung dieser faszinierenden Geschöpfe. Ausgedehnte, naturbelassene Habitate sind die andere Seite der Medaille, um Nahrung und Nistmaterial sicher zu stellen.

Manche Greifvögel sind natürliche Feinde der Tauben und Krähen und regulieren deren Bestand. Besonders in Mäusejahren sehen die Landwirte den Bussard sehr gern am Himmel kreisen. Aber auch Eulen und Käuze sind willkommen, am natürlichen Gleichgewicht durch Reduzierung der Mäuse mitzuwirken.

Eulenvögel bilden eine eigene Ordnung und werden nicht zu den Greifvögeln gezählt, sind dennoch Beutegreifer, die mit ihren scharfen Krallen, wie fast alle Greifvögel, ihre Beute töten. Von ihnen gibt es bei uns vereinzelt den Steinkauz, den Waldkauz und die Waldohreule.

Immer auch ist ihr Vorkommen ein Indikator für intakte Naturlandschaften.
Moderner Städtebau und intensive industrielle Landwirtschaft und immer größere Industriegebiete verändern die Landschaft, drängen Wald- und Buschgebiete sowie Brachland zurück. Dies macht den Greifvögeln und ihren Beutetieren ein Überleben in unserem Stadtgebiet und den angrenzenden Bereichen immer schwerer.

NABU und BUND bemühen sich seit langem um einen Ausgleich dieser Veränderungen. Wichtige Refugien für Bussard, Rotmilan, Steinkauz und Falke zu erhalten und zerstörte wieder herzustellen, so lautet die Aufgabe.

Jüngstes Beispiel für unseren erfolgreichen Einsatz ist die Anbringung eines Nistkastens für Turmfalken an einer Giebelwand eines Mehrfamilienhauses in Lützenkirchen. Das seit Jahren dort in einer Mauernische befindliche Nest ist bei der Isolierung des Giebels zugemauert worden. Gemeinsam mit der Hausverwaltung und den Eigentümern ist es letztes Jahr gelungen, einen Nistkasten durch die NABU-Naturschutzstation an der gleichen Stelle anzubringen.

Jetzt werden wir für unseren Einsatz aufs Höchste belohnt. Der Kasten wurde angenommen. Ein wunderschönes Turmfalkenpärchen zieht dort fünf noch flauschige Junge groß.

Um auch weiter erfolgreich auf diesem Gebiet arbeiten zu können, wird die Mithilfe von Bürgern und Architekten benötigt, die bei Neubau oder Sanierung von Gebäuden Nistmöglichkeiten für Untermieter einplanen.
Betroffen hiervon sind im Bereich der höheren Gebäude, insbesondere der Kirchen und Industriebauten, der Turm- und der Wanderfalke, aber  auch die Dohle, die zum Vogel des Jahres 2012 gekürt wurde.

In diesem Zusammenhang kommt auch den von den politischen Gremien der Stadt festzulegenden Landschafts- und Flächennutzungsplänen große Bedeutung zu.
Wald und Flur müssen genügend Raum für die Entwicklung gesunder Populationen bieten.

Auch hier bringen wir uns als Naturschutzverbände aktiv ein. Nur so werden wir weitere Erfolge im Greifvogelschutz in den nächsten Jahren verzeichnen können.

Rainer Morgenstern

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