Faszinierendes Naturschutzgebiet Hornpottkiesgrube

Zum 30jährigen Bestehen dieses NSG wurde am 14.04.2013 eine Vogelstimmenwanderung von den Naturschutzverbänden NABU und BUND rund um dieses Kleinod angeboten. Mehr dazu in einem Bericht von Isabel Rixen


Ein Naturschutzgebiet wird 25 - die Geschichte der Hornpottkiesgrube

Schon in den Jahren ihrer Auskiesungszeit war die Kiesgrube am Hornpott ein beliebtes „Spazierziel“ für meinen Mann und mich, dem wir viele wunderbare Naturerlebnisstunden verdankten: Wir hörten den Fröschen und Kröten zu, verfolgten abends den Zickzackflug der Fledermäuse und beobachteten natürlich die Vogelwelt.

Ende der 70er Jahre ließ der Kiesabbau langsam nach und 1980 begann im Ostbereich die Verfüllung, zu der der Eigentümer, Baron von Diergardt, ja gesetzlich verpflichtet war - eine Katastrophe allerdings angesichts der Entwicklung dieser Grube zu einem prachtvollen Feuchtgebiet und angesichts der Tatsache, dass heimische und vor allem auch Zugvögel auf die immer seltener werdenden Feuchtgebiete angewiesen sind. Gerade Kiesgruben sind wichtige Ersatzbiotope für die Flussauen mit ihren Kiesbänken, die es als Landschaftsform in Nordrhein-Westfalen praktisch nicht mehr gibt.

Ein Gespräch mit dem Eigentümer, in dem wir ihm zu erklären versuchten, welch ein wertvolles Biotop da im Laufe der Jahre entstanden war, nutzte natürlich nichts – er verdiente schließlich an der Verfüllung.

Just in diesem Jahr gab es – neben den schon lange erfolgreichen Bruten des Flussuferläufers – das erste Mal eine Zwergtaucherbrut. Das war das endgültige Zeichen für uns – die treibende Kraft war dabei immer mein Mann, Dr. Eberhard Mayer -, etwas für einen wirkungsvollen Schutz des Gebiets zu tun.

Wir hatten gerade die Kreisgruppe des BUND gegründet, und so stellte mein Mann als ihr Vorsitzender am 8. Juli 1980 beim Regierungspräsidenten Köln den „Antrag auf Einstweilige Sicherstellung im Hinblick auf die Ausweisung als Naturschutzgebiet für die Kiesgrube im Dünnwalder Wald zwischen B 51 und Hornpottweg“. Kartierungsergebnisse zur Vogelwelt – Siegfried Thal hatte über zwei Jahre hinweg 82 Vogelarten beobachtet – und eine Liste der vorkommenden Pflanzen sowie ein Gutachten von Prof. Dr. Putzer, Wasserexperte und Mitglied des BUND Landesverbandes, ergänzten den Antrag. Sicher taten auch die internen Bemühungen von Walter Renno, Leverkusener BUND-Mitglied und Mitarbeiter der Wasserbehörde Köln, ein Übriges, so dass wir am 12. Dezember 1980 ein Vorweihnachtsgeschenk in Händen hielten - den in unserem Sinne positiven vorläufigen Bescheid des RP Köln.

Natürlich verging noch einige Zeit bis zur endgültigen Unterschutzstellung, die 1983 erfolgte (Die Stadt Köln hatte das Gebiet unterdessen gekauft.). Sie beinhaltete gleichzeitig einen Vertrag, in dem sich der damalige DBV Leverkusen, der DBV Köln und der BUND Leverkusen verpflichteten, die Pflege und Unterhaltung des Naturschutzgebiets zu übernehmen. Maßgeblich daran beteiligt war in den ersten Jahren der heutige Ehrenvorsitzende des NABU Leverkusen Hermann Brombach; dann hat der Arbeitskreis Biotopvernetzung unter der Leitung von Ingo Fahne viele Jahre lang mit großem Einsatz und hoher Kompetenz die Betreuung übernommen, und seit 2005 ist das Gebiet in der Obhut der NABU - Naturschutzstation Rhein-Berg.

Ein Naturschutzgebiet ist natürlich immer auf ein einigermaßen intaktes Umfeld angewiesen, und da gab es im Laufe der Zeit immer wieder Probleme. - 1985 etwa sollte ein immenser P+R – Platz angelegt werden, der, wäre es nach den Planern gegangen, bis an den Rand der Kiesgrube gereicht hätte. Gott sei Dank wurde unser Einspruch von vielen Bürgern unterstützt, so dass dieser Eingriff verhindert werden konnte.

Seit der Unterschutzstellung des Gebiets stellten wir immer wieder Anträge an die Stadt Köln, den Hornpottweg zu sperren, einmal, um das kostbare Gebiet vor ständigen Störungen zu schützen, zweitens auch, um die Krötenpopulation zu retten, die auf ihrer Wanderung den Hornpottweg überqueren musste. Den ersten Erfolg konnten wir 1988 verzeichnen, als Köln und Leverkusen einwilligten, den Hornpottweg von Mitte Februar bis Mitte Mai nachts und an Feiertagen für den Durchgangsverkehr zu schließen – allerdings unter der Bedingung, dass die Naturschützer die tägliche Schließung und Öffnung der angebrachten Schranken kostenlos übernahmen und organisierten… Als sich damals einer von uns, BUND- und NABU-Mitglied Otto Krämer, als „Erdkröte Horni“ getarnt, beim Oberstadtdirektor für die Schließung bedankte – gleich aber natürlich auch wieder die Aufhebung der Straße forderte! -, erhielt er von diesem folgendes Schreiben:


„Liebe Horni, vorab erstmal Dir und Deinen netten Kumpeln von der quakenden Zunft ein liebes Dankeschön. Ich finde es toll, dass Du bei dem Dauerstress (Autos und Straßen, zu wenige Tümpel,…) überhaupt noch die Zeit gefunden hast, mir zu schreiben. Dein positives Gequake über die bisherigen Maßnahmen hat mich erfreut, denn schließlich bekomme ich nicht oft Krötenpost und noch dazu mit einem Lob! Dein Wunsch, den Hornpottweg auf Dauer zu sperren, ist aus Deiner Sicht mehr als verständlich. Ich kann Dir versichern, dass ich mich weiterhin dafür einsetzen werde, Eure Wanderwege zu sichern und Eure Lebensräume zu erhalten und zu verbessern. Mit freundlichen Grüßen

Dein Kurt Rossa

Inzwischen, nach weiteren Eingaben und einer pressewirksamen „Entsiegelungsaktion“ im Jahr 1991, gibt es den Hornpottweg nicht mehr, aber dafür haben wir eine andere Gefahr für die Ruhe des Naturschutzgebiets trotz jahrelanger intensiver Bemühungen nicht abwehren können: die Bebauung der ganz in der Nähe gelegenen „Bullenwiese“ mit Gewerbe und Wohnungen…

Die verloren gegangene Freifläche ist nicht zurückholbar. Hoffen wir wenigstens, dass die vielen Besucher dieses Naturschutzgebiets im Grenzbereich zweier Städte pfleglich mit diesem Kleinod in unserer Region umgehen. Dann können wir mit etwas Glück auch weiterhin hin und wieder den Eisvogel über die Wasserfläche flitzen sehen, uns fast immer an den imposanten Kormoranen und Graureihern erfreuen, im Sommer dem Zwiegesang der Zwergtaucher lauschen oder den Tag mit einem Froschkonzert ausklingen lassen.

Ingrid Meyer

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Naturschutzgebiet in Bedrängnis

Eines der schönsten Naturschutzgebiete im Leverkusener-Kölner Raum ist die Hornpott-Kiesgrube. Es gäbe sie gar nicht, wenn nicht Mitglieder des NABU und BUND Leverkusen hartnäckig immer wieder beim damaligen Regierungspräsidenten Antwerpes die Unterschutzstellung dieses Gebiets gefordert hätten. Es war nicht einfach, denn der ehemalige Besitzer Baron von Diergardt hatte die vertragliche Verpflichtung, diese Grube wieder zu verfüllen.

Es dauerte 5 Jahre (1978-1983), bis der Regierungspräsident die Kiesgrube für den Naturschutz „sicher stellte“ und mit den NABU-Verbänden Leverkusen und Köln einen Betreuungsvertrag schloss. Jetzt ging es für die Naturschützer an die Arbeit: Aus der Grube wurden Polstermöbel und sogar scharfe Granatmunition entfernt, Schilder wurden aufgestellt, Kartierungen und Kontrollgänge durchgeführt.

Es zeigte sich, dass Tausende von Erdkröten, Grünfröschen und Teichmolchen auf dem Hornpottweg totgefahren wurden. Es begann ein jahrelanger Kampf um die Sperrung des Hornpottwegs, bis uns 1993 die Vollsperrung für den Autoverkehr gelang.

Da wir auch jeden Samstag im Winterhalbjahr die Grasfläche in der Grube vom Birkenausschlag befreiten, konnte im Laufe der Zeit ein wahres Kleinod entstehen, das viele Besucher auch aus der weiteren Umgebung anzieht.

Besonders die scheueren, in ihrem Bestand bedrohten Vogelarten wie Fischadler, Sumpfohreule, Raubwürger, Schwarzstorch, Bekassine, Kornweihe und Wasserralle suchen die etwas abgelegene im Wald liegende Kiesgrube auf und können dort beobachtet werden. Einmalig ist, dass sich hier in günstigen Jahren bis zu sieben Paare Zwergtaucher einfanden und erfolgreich brüteten. Auch Reh und Fuchs fühlen sich offenbar wohl in der Grube.

Es sind die Abgeschiedenheit und die sie umgebenden Pufferzonen, die das Naturschutzgebiet Hornpott-Kiesgrube vor allem für die scheueren, teilweise in ihrem Bestand gefährdeten Vogelarten so wertvoll machen.

Neben dem Wald gab es bisher eine große Acker- und Wiesenfläche als Pufferzone - die Bullenwiese. Hier jagten die Graureiher nach Mäusen, wenn der Wasserstand in der Grube sehr hoch war. Waren schon die Sekundär-Dünen der Bullenwiese für Leverkusen und die weitere Umgebung etwas Ungewöhnliches, erhöhte sich der Wert dieser Fläche für den Naturschutz dadurch, dass im Frühjahr und im Herbst regelmäßig zahlreiche Steinschmätzer und Braunkehlchen auf ihren Zügen hier eine Zwischenrast einlegten. So bildeten die „Bullenwiese“ und das Naturschutzgebiet „Hornpott-Kiesgrube“ für den Naturhaushalt eine harmonische und wertvolle Einheit.

Die 2004 begonnene Zerstörung der Bullenwiese wird nicht ohne Folgen für die Fauna im Naturschutzgebiet Hornpott-Kiesgrube bleiben. Alle ehrenamtlichen Mitarbeiter, die bei jedem Wetter unzählige Stunden in diesem Naturschutzgebiet gearbeitet haben, sind nicht nur frustriert, sondern trauern auch über den Verlust der Bullenwiese.


Hermann Brombach

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