Vogelnester

Jeder weiß, dass Vögel Nester bauen!
Aber stimmt das auch? Und gibt es vielleicht Unterschiede im Nestbau?
Die Antwort ist: Durchaus nicht jeder Vogel baut ein Nest - und es gibt große Unterschiede in der Bauweise!
 
Lerchen, der Flussregenpfeifer oder der Kiebitz bauen keine Nester. Sie legen ihre Eier mit Tarnfarbe versehen direkt auf den Boden von Freiflächen (Bodenbrüter). Das ist eine sehr effektive Art der Kinderstube – wenn keine Feinde die Brut erwischen.
Auch der Kuckuck baut selber kein Nest – er hat allerdings eine andere Strategie: Er legt seine Eier in das Nest von Singvögeln und lässt die Jungen von diesem großfüttern. Auch das ist ein sehr effektives Verhalten, denn er muss weder ein Nest bauen, noch muss er Futter suchen.
 
Dann gibt es Vögel, die sich für die Kinderstube Höhlen bauen. Da sind zum einen der Specht oder die Weidenmeise zu nennen, die ihre Höhle in alte Bäume hämmern – sehr praktisch, da kein Feind an den Nachwuchs kommen kann.
Eine andere Variation ist der Bau von Röhren ins Erdreich an Uferrändern und Steilwänden von Flüssen, Seen und Meeren wie sie z.B. der Eisvogel gräbt oder die Uferschwalbe. Diese „Nester“ bieten optimalen Schutz vor Räubern und sind immer gleichbleibend temperiert.
 
Und auch bei den Nest bauenden Vögeln gibt es sehr große Unterschiede in der Bauweise:
Manche bauen eher „unordentliche“ Nester mit lose zusammengefügten Ästen. Andere dagegen bauen sich wahre Wohlfühloasen in sehr akkuratem Stil, die dann noch weich ausgepolstert werden.
 
Ein wesentlicher Unterschied beim Nestbau ist natürlich das verwendete Material:
- Lehm (Schwalben, Singdrosseln kleiden das Nest damit aus)
- Federn (zum Auspolstern z.B. bei Schwanzmeise oder auch Star)
- Haare
- Moos (Zaunkönig)
- Blätter (Amsel)
- Gräser
- Flechten (Schwanzmeise)
- Ästchen (Kormoran, Taube, Basstölpel)
- Äste (Rotmilan, Graureiher, Storch)
- Rinde (Kleiber)
- Holzspäne (Grünspecht)
- Spinnweben (Schwanzmeise)
- Plastik ! wie z.B. Teile von Fischernetzen - sie werden vom Basstölpel gern eingebaut (leider, da sie schnell auch zur lebensgefährlichen Falle werden)

Manche Vögel bauen nur mit einem Material, andere kombinieren gekonnt die verschiedenen Materialien wie zum Beispiel die Singdrossel. Sie baut eine Nestmulde aus Gräsern, kleinen Ästen und kleidet die Mulde innen mit einer dünnen Lehmschicht aus.
 
Und wenn sich Vögel so viel Mühe mit dem Nestbau geben, gibt es auch hier wieder andere, die sich die Vorarbeit zu Nutze machen. So nutzen Turmfalken gerne die alten Nester von Krähen.
Es müssen auch nicht immer Nester sein – die Brandgans z. B. nutzt alte Kaninchengänge und baut dort ihr Nest hinein.

Amsel mit Nistmaterial

Zaunkönig mit Moos für den Unterbau seines Nestes

Feldsperling

Teichhuhn

Eisvogel neben seiner Niströhre (links oben)

Basstölpel in Helgoland

Basstölpel am Nest mit Plastikteilen (orange) vom Fischernetz

Schwanzmeise mit Federn für ihr Nest. Ihr Nest besteht außen meist aus Flechten (Tarnung) und ist innen mit Federn ausgepolstert. Früher wurden ihre Nester auch als Babyschuhe verwendet, weil sie so weich und warm waren.

Rauchschwalbe beim Füttern an ihrem Lehmnest

Dreizehenmöve mit Nistmaterial

Küstenseeschwalbe auf ihrer Nistmulde