Die Vogeluhr

Viele Singvögel sind Frühaufsteher und beginnen mit ihren Sangeskünsten  schon in den frühen Morgenstunden, noch bevor die Sonne aufgeht.

Es singen nur die Vogelmännchen - zum einen, um den Weibchen zu imponieren und eine Partnerin zum Nestbau zu gewinnen, zum anderen um ihr Revier gegen die Rivalen abzugrenzen.

Dabei haben die verschiedenen Vogelarten eine definierte zeitliche Abfolge. Diese Abfolge nennt man auch Vogeluhr. Der spezifische Anreiz zum Singen ist die morgendliche Dämmerung, also der relative Zeitpunkt zum Sonnenaufgang (der wiederum abhängt von der Jahreszeit und dem geographischen Ort).

So ist auch der berühmte Satz "Es war die Nachtigall und nicht die Lerche" (Shakespeare: Romeo und Julia) eben auf diese Vogeluhr zurückzuführen, denn die Nachtigall singt auch in der Nacht, während die Lerche erst ca 80 Minuten vor Sonnenaufgang mit ihrem Gesang beginnt.

Zu bedenken ist noch, dass die Vögel zu unterschiedlichen Monaten im Jahr mit ihrem Gesang beginnen: die Nachtigall läßt ihn erst im April hören, während die Lerche schon im Februar damit startet.

Start des Vogelgesangs    
Gartenrotschwanz90 MinVOR Sonnenaufgang     
Amsel60 Min"              "      
Rotkehlchen50 Min "              "
Zaunkönig40 Min "              "
Buchfink30 Min "              "
Zilpzalp10 Min "              "
Kohlmeise  5 Min "              "
Mönchsgrasmücke  5 MinNACH Sonnenaufgang
Distelfink15 Min "              "
Grünfink30 Min "              "

Wer also die Vogelstimmen kennt, kann anhand der singenden Federbällchen die Uhrzeit ungefähr bestimmen! Natürlich kann es auch zu Verschiebungen der „Vogeluhr“ entsprechend der Wetterlage kommen – aber die Reihenfolge bleibt immer bestehen, da die Bedingungen ja für alle Vögel gleich sind.

Im Laufe des Tages stellen die Vögel ihren Gesang in derselben Reihenfolge wieder ein, in der sie ihn begonnen haben.