Leverkusen: Vogelfreundliche Nachrüstung des Fahrgastunterstandes „Dünenweg“

Artikel in der Rheinische Post vom 24.08.2018

Artikel im Kölner Stadtanzeiger  vom 25.08.2018 (vorherige Registrierung)


Die richtige Glasfolien kann Vögel retten

Ein Bericht im WDR über Vogelschlag - initiiert durch die nachträgliche Anbringung einer Vogelschutzfolie auf einer gläsernen Schallschutzmauer in der neuen Bahnstadt Opladen.

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I. Nachrüstung von Glasfenstern

Glas tötet Vögel, weil es transparent ist und Bäume und Sträucher spiegelt. Es gibt wirksame Möglichkeiten, Vögel vor dem Tod an Glas zu schützen: Nachrüstungen für bestehende Gebäude und bei der Planung unbedingte Berücksichtigung der vogelfreundlichen Bauweise.

I. Nachrüstungsmethoden zur Verhinderung des Vogelanpralls zu Hause

• Haus und Garten (Trend zu großen Fenstern und Glas-Windschutz)

Bei der Einhaltung von ein paar Regeln können die Fenster eines Hauses oder Glas-Windschutzwände eines Wintergartens schnell, einfach und billig nachgerüstet werden:

  • Farben: weiß, schwarz, rot, orange sind wirksam, aber blau und grün nicht nutzen!
  • Zwischen den gemalten oder aufgeklebten Mustern (z.B. Blumen) Abstand einer Handfläche einhalten
  • Aufkleber, Folien, Netze von außen aufbringen, um Spiegelung zu überdecken
  • Vertikale Linien sollen min. 5 mm dick sein und in je max. 10 cm Abstand aufgeklebt/aufgehängt werden.
  • Horizontale Linien sollen min. 3 mm dick sein und ebenfalls in je max. 10 cm Abstand aufgeklebt/aufgehängt werden.
  • Vorhänge, Gardinen innen an Fenstern nicht zur Seite ziehen (Reduzierung der Transparenz)

  • NICHT wirksam: Einzelne oder ein paar Vogelsilhouetten am Fenster!
  • NICHT wirksam: Markierungen mit UV-Stiften!

Beispiele zum Nachmachen

Insektengitter von außen auf die gesamte Fensterfläche spannen (weiß)
Insektengitter von außen auf die gesamte Fensterfläche spannen (schwarz)
Selbstgemalte Muster mit wasserfesten Farben oder mit „Window Color“ von Schreib-und Spielwarengeschäften, (Fotos: Teresa Taborek-Weisker)
Selbstgemalte Muster mit wasserfesten Farben oder mit „Window Color“ von Schreib-und Spielwarengeschäften, (Fotos: Teresa Taborek-Weisker)
Vorhang aus Schnüren, Kordeln aus dem Baumarkt, selbst knoten und von außen montieren. Hier an Breite der Schnüre denken: min. 5 mm und Abstand: max. 10 cm, (Foto: Dr. Judith Förster)
Streifen aus einer Glasdekorfolie ausschneiden und außen aufkleben. Im Beispiel wurde Klebefolie Oracal 8510 benutzt. Streifen sind 15-40 mm breit und im Abstand einer Handfläche aufgeklebt. (Foto: Teresa Taborek-Weisker)

Es gibt auch professionell hergestellte Musterfolien. Sie werden im Siebverfahren bedruckt und auf der ganzen Fensterfläche außen aufgeklebt. Es ist auch möglich nur bedruckte Streifen aufzukleben. Solche Fenster können wie üblich geputzt werden. Die Folien sollen bis 10 Jahre ihre Wirkung behalten. Man sollte die Muster wählen, die nach einem standardisierten österreichischen Verfahren getestet wurden und als hochwirksam gegen Vogelschlag gelten. Sie wurden in der Broschüre „Vogelfreundliches Bauen mit Glas und Licht“ veröffentlicht. Basierend auf diesen Ergebnissen hat der BUND NRW Bespielscheiben mit hochwirksamen Mustern beklebt. Anbei die Beispielscheiben:

Beispielscheiben

Kreise mit Durchmesser und Abstand max. 10 cm, designt von Dr.J.Förster
Punkte: 7,5 mm, diagonaler Abstand der Punkt-Mittelpunkte: 12,7 mm
Punkte: 8 mm, Abstand zw. Reihen: 10 cm
Streifenbreite: 5 mm, Streifenabstand: 8,4 cm
Streifenbreite: 3 mm, Streifenabstand: 3 cm
Streifenbreite: 13 mm, Streifenabstand: 13 mm

II. Vogelfreundliche Planung oder Nachrüstung der großen Glasfassaden

• Bürogebäuden, Verkaufsräumen, Behörden etc.
•Windschutz bei Restaurants, Aussichtsplattformen etc.
•repräsentativen Eingangshallen von Gebäuden
•Fahrgastunterständen
•Fahrstuhlschächten und Treppenhäusern
•transparenten Lärmschutzwänden
•Glasabgrenzungen in Zoos

Informationen für Planer:
Auswahl aus dem Projekt „Vermeidung von Vogelschlag an transparenten und spiegelnden Bauelementen“, BUND-NRW, Leitung: Dr. Judith Förster
https://www.bund-nrw.de/themen/tiere-pflanzen/vogelschlag-an-glas/das-projekt

Ergebnisse der Fachtagung „Vogelschlag an Glas“ für Naturschutz- und Baubehörden, Architekt*innen, Vertreter*innen der Glasindustrie und des Naturschutzes vom 06.06.2018 in Düsseldorf

https://www.bund-nrw.de/service/meldungen/detail/news/fachtagung-vogelschlag-an-glas-wichtiges-auf-einen-blick/news-topic/vogelschlag

Broschüre „Vogelschlag an Glas-das Problem“:
https://www.bund-nrw.de/service/publikationen/detail/publication/broschuere-vogelschlag-an-glas-das-problem-und-was-sie-dagegen-tun-koennen/

Hochwirksame Muster:
https://www.bund-nrw.de/themen/tiere-pflanzen/vogelschlag-an-glas/loesungen/hochwirksame-muster/

Vogelfreundliche Architektur:

https://www.bund-nrw.de/themen/tiere-pflanzen/vogelschlag-an-glas/hintergruende/vogelfreundliche-architektur

(zusammengestellt: Teresa Taborek-Weisker)

Das erste vogelfreundliche Leverkusener Wartehäuschen, Musterfolien wurden vom Verkehrsunternehmen „wupsi“ 2018 angebracht (Leverkusen, Bushaltestelle Dünenweg), (Foto: Teresa Taborek-Weisker)
v.l.: Lars Schwartz (Liegenschaftsamt), Rainer Morgenstern (NABU/BUND Leverkusen), Dr. Judith Förster (BUND NRW), Vera Rottes (neue-Bahnstadt-opladen GmbH

Neue Bahnstadt: Rettung durch Vogelschlag-hemmendes Glas

Glas kann tödlich sein. Für Vögel ist es unsichtbar und kostet viele unserer gefiederten Freunde das Leben. So auch in der neuen Bahnstadt. Dorothee und Rainer Morgenstern, zwei Leverkusener Naturschützer von NABU und BUND, machten bei einer Routinekontrolle die traurige Entdeckung. An den Glaselementen der Schallschutzwand am Quartiersplatz in der „neue-bahnstadt-opladen-nbs-o" waren eindeutig Abdrücke und Federn von Vögeln zu erkennen. Hier mussten wahrscheinlich schon viele Vögel ihr Leben lassen.

Bei dem Versuch, die gegenüberstehenden Bäume und Hecken zu erreichen, fliegen Vögel ungebremst gegen Scheiben, die sie, wie auch das menschliche Auge, nicht als Hindernis erkennen können. Sie sterben dann entweder sofort an Genickbruch oder verhungern mit gebrochenen Flügeln oder Hirnverletzungen bzw. werden zu leichten Opfern von Katzen und anderen Beutegreifern.

„Die oft an die Scheiben geklebten Greifvogelsilhouetten helfe leider nicht“ berichtet Projektleiterin Dr. Judith Förster vom BUND NRW Arbeitskreis „Vermeidung von Vogelschlag an transparenten und spiegelnden Bauelementen“. „Was hilft, ist das Bekleben der Scheiben mit einer gemusterten Folie, deren senkrechtes Streifenmuster im Abstand von höchstens 10 cm von den Vögeln als Hindernis erkannt wird“.

Unverzüglich nach Mitteilung des Vogelschlagproblems an die nbs-o GmbH, vermittelte Frau Vera Rottes den Kontakt zum zuständigen Liegenschaftsamt der Stadt Leverkusen. Hier wurde erfreulicherweise sofort gehandelt. Herr Schwartz veranlasste die unverzügliche Aufbringung der gemusterten Folie. Die vorbildliche und schnelle Reaktion der Stadt Leverkusen verhindert nun weitere Opfer an dieser Stelle. Eine sehr erfolgreiche Aktion. „Ich freue mich, dass wir durch diese Beklebung die kritische Situation für die Vogelwelt an dieser Stelle entschärfen konnten“ sagte Vera Rottes.

In unserem Stadtgebiet befinden sich jedoch noch unzählige weitere Glasflächen, die eine ähnliche Gefahr für unsere Vogelwelt darstellen. Sie könnten leicht mit solchen Maßnahmen entschärft oder beseitigt werden.
Auch sollte bereits im Neu- und Sanierungsbau von Anfang an Vogelschutzglas mit eingelassenen oder durch Siebdruck aufgebrachten Mustern geplant und verwendet werden.
An manchen Flächen sind auch Relief- oder Milchglasscheiben eine gute Wahl.

Um Bauträger und Architekten über die Verhinderung von Vogelschlag an Glas im Einzelnen besser aufklären, beraten und für Vogelschutz werben zu können, haben NABU und BUND Leverkusen eine gemeinsame Arbeitsgruppe „Vogelschlag", Projektsprecherin Teresa Taborek-Weisker, gegründet. Sie arbeitet mit Dr. Judith Förster der Leiterin des Projektes „Vermeidung von Vogelschlag an transparenten und spiegelnden Bauelementen" des BUND NRW e.V. (www.vogelsicherheit-an-glas.de) zusammen -das Projekt wird von der Stiftung Umwelt und Entwicklung NRW gefördert.

18 Millionen tote Vögel bundesweit allein durch Vogelschlag an Glas sind 18 Millionen zu viel“, so die Botschaft von Teresa Taborek-Weisker. Hiervon entfallen statistisch mehrere Tausend auf Leverkusen.
Dieser Verlust ist vermeidbar! Unsere Stadtverwaltung macht es mit dem geschilderten Beispiel vor. Mit nur wenig mehr Aufwand und gutem Willen lässt sich unseren gefiederten Freunden das Leben retten.

„Folgerichtig sollten Baugenehmigungen nur noch mit entsprechenden Bestimmungen und Auflagen erteilt werden“, so der Appell von Dr. Ralf Bell von der Leverkusener Arbeitsgruppe „Vogelschlag“.