Allgemeines

Europäische Fledermausnacht

Fledermausschutz in Siedlungen

Fledermaus gefunden - was tun?

Der Stollenbunker an der Himmelsleiter

Winterschlaf - Leben auf Sparflamme

Wanderverhalten einheimischer Fledermäuse

Spaltenquartiere für Fledermäuse in Giebelverkleidungen

Baumhöhlen - Wohnstätten für Fledermäuse

Eine Fledermaus wird groß

Fledermäuse in Leverkusen


Europäische Fledermausnacht

Zur diesjährigen Fledermausnacht laden der AK-Fledermäuse, Leverkusen von NABU und BUND und der AK-Fledertierschutz, Solingen große und kleine Fledermausfreunde und alle, die es noch werden wollen, zu einer spannenden Fledermausexkursion ein. Nach einer kurzen Vorstellung der Fledermäuse mit Lebensweise, Gefährdung und Schutz werden wir bei einer Nachtwanderung gemeinsam mit Hilfe von Batdetektoren die Flattertiere bei ihren geschickten Jagdflügen nach Nahrungsinsekten beobachten.

Termin:

Ende August, 20.00 Uhr

Treffpunkt:

Parkplatz am Ophovener Weiher in Leverkusen-Schlebusch


mehr Infos...

Auf der Internetseite www.batnight.de können Sie viele weitere Informationen über Fledermäuse erhalten sowie bndesweite Termine und Veranstaltungsorte erhalten.


Großes Mausohr (Myotis myotis) fliegt ins Quartier (Kirchendach) ein. Foto von: NABU, Eberhard Menz

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Fledermausschutz in Siedlungsbereichen

Ursprünglich siedelten die europäischen Fledermäuse in Felshöhlen und -spalten oder Baumrissen und -höhlen. Felshöhlen in Mitteleuropa weisen ganzjährig niedrige Temperaturen auf und eignen sich daher hauptsächlich als Winterquartiere für Fledermäuse. In Südeuropa bieten Felshöhlen ein optimales Mikroklima für Fledermäuse auch im Sommer. Mit Beginn der Siedlungstätigkeit der Menschen bezogen die höhlenbewohnenden Fledermäuse in Südeuropa warme und geräumige Dachböden und dehnten ihr Verbreitungsgebiet nach Norden hin aus. Die baumbewohnenden Fledermäuse lernten Spalten und Hohlräume an und in Gebäuden als Verstecke zu nutzen, die ähnliche Eigenschaften wie Verstecke in Felsen oder an Bäumen aufweisen.


Graues Langohr im Dachstuhl,
© Foto: Hedi Scharff

So entwickelte sich mit der Zeit eine Nutzungstradition von Gebäuden durch unterschiedliche Fledermausarten.


Fledermausquartier hinter der Attika eines Flachdachs

Heute sind die heimlichen Mitbewohner auf die Quartiere an Gebäuden angewiesen. Dabei sind sie auf die Toleranz der Hausbesitzer angewiesen.

Genutzt werden können u.a.:

  • Nicht ausgebaute Dachböden z.B. von Langohrarten, Hufeisennasen und Großen Mausohren. Kleine Kotkrümel auf dem Boden des Dachstuhls deuten auf Fledermäuse hin.

  • Spalten im Mauerwerk von Bartfledermäusen

  • Hohlräume hinter Fassadenverkleidungen aus Eternit, Schiefer und Holz von Breitflügelfledermäusen und Zwergfledermäusen.

  • Feststehende Fensterläden z.B. von Breitflügelfledermäusen.

Schutz gebäudebewohnender Fledermausarten

Schutzmaßnahmen bei Hausreparaturen:
Umbauten dürfen erst nach der Wochenstubenzeit (dauert von März bis September) beginnen, nachdem die Fledermäuse in ihr Winterquartier umgezogen sind. Befindet sich ein Winterquartier (Nutzung etwa Anfang Oktober bis April) z.B. im Hauskeller, so dürfen die Arbeiten erst nach dem Abzug der Tiere im Frühjahr / Sommer beginnen.

Wichtig ist, dass die Einflug-/ Ausflugöffnungen z.B. Spalten an Gebäuden und historischen Mauern nicht verschlossen werden. Durch Unachtsamkeit werden Fledermäuse oft eingemauert. Neue Öffnungen werden mitunter nicht angenommen, selbst wenn sie in unmittelbarer Nähe der alten Öffnungen liegen.

Dachstuhlsanierungen:
Ist eine Dachstuhlsanierung oder Neudeckung des Daches notwendig, so sollte dies frühzeitig mit einem Fachmann besprochen werden. Folgende Punkte sind besonders zu beachten: Erhaltung der von den Tieren genutzten Hangplätze. Verzicht auf Holzschutzmittel.

Holzschutzmaßnahmen:
Konservierende Anstriche zum Holzschutz bei Dachstuhlsanierungen stellen eine besondere Gefährdung dar. Fledermäuse haben engen Körperkontakt mit der Holzkonstruktion und nehmen giftige Chemikalien mit der Haut auf. Wenn möglich auf Alternativen wie das Heißluftverfahren zurückgreifen. Sind chemische Holzschutzmittel in Ausnahmefällen nicht zu umgehen, können Sie unter 0214-54283 eine Liste mit geprüften, für Fledermäuse wenig giftigen, Holzschutzmitteln erhalten.

Mechtild Höller (AK-Fledermäuse)

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Fledermaus gefunden - Was tun?

Besonders im Frühjahr und Herbst trifft man auf geschwächte oder verletzte Fledermäuse, die hilflos an der Wand hängen oder auf dem Boden liegen. Oft ist man hilflos und fragt sich, wie man dem kleinen Fellknäuel helfen kann. Im Folgenden hier die wichtigsten Regeln für den Umgang mit Fledermausfindlingen.

  • Wenn ein Quartier in der Nähe ist, z. B. direkt über dem Fundort in einer Mauerspalte oder hinter einer Verkleidung, das Tier nahe an die Quartieröffnung setzen, insbesondere wenn es ein Jungtier ist.

  • Wer auf eine geschwächte oder verletzte Fledermaus stößt, sollte das Tier möglichst schnell in eine Pappschachtel, die mit Tüchern zum Verstecken ausgestattet ist, setzen und an einen Fledermausfachmann weiterleiten. Zum Transportieren kann man neben Pappschachteln auch feste Stoffsäckchen verwenden. Die Behältnisse sollten ausreichende Luftzufuhr gewährleisten und ausbruchsicher sein.

  • Hier ein Wort zum Anfassen der Findlinge: Fledermäuse sind Wildtiere, einigermaßen fitte Tiere beißen zur Verteidigung zu, wenn man sie anfasst. Sind keine Schutzhandschuhe vorhanden, "bugsiert" man das Tier mit Hilfsmitteln, wie Besen oder Zweige in ein Behältnis. Kleinere Arten kann man mit einem Tuch anfassen.

  • Bis zur Übergabe den Findling kühl halten; nicht in die Sonne und keine Autoheizung!

  • Zwischen Fund und Übergabe kann man einem geschwächten Tier mit einem Grashalm oder Bleistift tropfenweise Wasser seitlich ans Maul bringen - Vorsicht, nicht auf die Nase!

Der AK-Fledermäuse Leverkusen nimmt geschwächte und verletzte Fledermäuse in Pflege, bitte wenden Sie sich an:

AK-Fledermäuse, Mechthild Höller, Tel. 0214 / 54283.

Weiter helfen Ihnen auch:
- Untere Landschaftsbehörde der Stadt Leverkusen,
  J. Kossler, Tel. 0214 / 4063247 oder 02171 / 4063247,
- NABU-Naturschutzstation Leverkusen-Köln,
   Tel. 02171 / 7349911

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Der Stollenbunker an der Himmelsleiter

Die Arbeit des AK-Fledermäuse dient dem Schutz der heimischen Fledermausarten. Neben der Erfassung der hier vorkommenden Fledermausarten und ihrer Lebensräume gehören dazu die Erhaltung bestehender und die Schaffung neuer Fledermausquartiere.

In der Vergangenheit wurden in Europa schon mehrfach Anlagen aus dem 2. Weltkrieg für Fledermäuse und Amphibien optimiert. Eine Begehung des Stollenbunkers an der Himmelsleiter in Opladen im Januar 2000 durch den AK-Fledermäuse zeigte, dieses Bauwerk aus den 40er Jahren mit seinen felsigen, spaltenreichen Wänden, der hohen Luftfeuchtigkeit, den weitgehend konstanten Temperaturen und seiner Lage in Wuppernähe, ist bestens als Winterquartier für Fledermäuse geeignet.

Allerdings mußte dazu die vorhandene Türe aus Stahlblech durch ein stabiles, einbruchssicheres Gitter, das gleichzeitig den Fledermäusen ungehinderten Zugang ermöglicht, ersetzt werden. Die Maßnahme wurde mit Herr Kossler von der Unteren Landschaftsbehörde der Stadt Leverkusen besprochen. Der AK-Fledertierschutz Solingen e. V. konnte zur Mitarbeit gewonnen werden.

Nach Genehmigung und Zusicherung der Kostenübernahme für die Herstellung des Verschlusses durch die Stadt Leverkusen begannen wir im April mit den Vorarbeiten. Die Freiwillige Feuerwehr Opladen pumpte den Bunker, der voll Wasser stand, leer. Danach konnte für den späteren Einbau des Fledermausgitters die Beschaffenheit des Bodens im Eingangsbereich untersucht werden. Nach Fertigstellung des verzinkten, aus Stahlrohren geschweißten Gitters in Solingen, baute der AK-Fledermäuse gemeinsam mit dem AK-Fledertierschutz Solingen in mehreren Wochenendeinsätzen - an zwei Arbeitstagen unterstützte uns außerdem der RBN Wermelskirchen - den fledermausgerechten Verschluss im Eingang des Bunkers ein. Für die Betonierarbeiten waren teilweise sehr komplizierte Verschalungen notwendig. Am 18. 11. 2000 wurden die Arbeiten abgeschlossen.

Wir freuen uns über dieses erfolgreiche Projekt zum Schutz der Fledermäuse und hoffen, daß bald Fledermäuse (Wasserfledermäuse, Bartfledermäuse und Langohren) den Bunker an der Himmelsleiter aufspüren und als Winterquartier annehmen. Opladener Bürger berichteten mehrfach, sie hätten früher, als der Bunker noch offen war, im Winterhalbjahr regelmäßig Fledermäuse innen gesehen. An dieser Stelle bedanken wir uns bei der Stadt Leverkusen, vertreten durch Herrn Kossler, für die Finanzierung des Gitters, dem AK-Fledertierschutz Solingen e. V. mit ihrem Vorsitzenden Helmut Pötzsch für Entwurf und Fertigstellung des Gitters und die kollegiale Zusammenarbeit, der Freiwilligen Feuerwehr Opladen für das Auspumpen des Bunkers. Vielen Dank an alle, die uns durch Hinweise und Tipps, ihr Interesse, Kaffee und Kuchen bei der Stange gehalten haben.

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Winterschlaf - Leben auf Sparflamme

Färbt sich das Laub und werden die Tage im Herbst kühler und kürzer, nehmen die Insekten nach und nach ab. Dieser nahrungsknappen Zeit begegnen Fledermäuse mit Rückzug in ihre Winterquartiere. Das können alte Stollen, Bunker, Naturhöhlen, Holzstapel oder tiefe Baumhöhlen sein. Versorgt durch ein Fettpolster verbringen die Fledermäuse dort die kalte Jahreszeit im Winterschlaf.

Mit dem Ziel, so wenig Energie wie möglich zu verbrauchen, stellen sie ihren Organismus um. Sie senken ihre Körpertemperatur auf etwa 2-10°C. Damit geht die Verlangsamung aller Körperfunktionen wie Atmung und Herzschlag einher. Durch die Verlangsamung des Stoffwechsels wird die Sauerstoffaufnahme reduziert und die Fledermäuse kommen mit einem Atemzug pro Stunde aus. Damit die Körpertemperatur abgesenkt werden kann, suchen die Fledermäuse im Herbst/Winter kühle Orte auf, die  frostfrei sein sollten. Daneben brauchen sie in ihren Quartieren eine hohe Luftfeuchtigkeit, damit die dünnen Flughäute nicht austrocknen. Diese Voraussetzungen bieten Höhlen, Bergwerksstollen, Bunker, Mauerhohlräume an historischen Gebäuden, alte Keller.

Die Fledermäuse hängen entweder an der Höhlendecke oder sind in tiefe Spalten eingezwängt. Einige Arten, z. B. der Abendsegler (Nyctalus noctula), überwintern zu mehreren in tiefen Baumhöhlen. Sie kuscheln sich eng aneinander und schützen sich so gegen die Kälte. Oft liegen die Winterquartiere in der Nähe der Sommerquartiere. Einige Arten (z. B. Abendsegler, Rauhhautfledermaus) legen jedoch zwischen Sommer und Winterquartieren 1000 und mehr Kilometer zurück. Von Zeit zu Zeit wachen die Fledermäuse während des Winterschlafs kurz auf zum Urinieren und Trinken. Erreicht die Temperatur einen kritischen Tiefpunkt, setzt die Wärmeregulation ein. Die Fledermäuse wachen auf und suchen sich einen frostfreien Schlafplatz. Störungen im Winterquartier sollten vermieden werden, weil die Fledermäuse dadurch aufwachen können. Hierfür verbrauchen die Tiere viel Energie. Bei zu häufigem Aufwachen können die Fettreserven vorzeitig verbraucht werden und die Fledermäuse sterben.

Ein europaweit bedeutendes Fledermausquartier befindet sich im Grubenfeld nördlich von Mayen. Was einst der Basaltgewinnung diente, ist heute die Heimat Tausender von Fledermäusen. Über 15 europaweit bedrohte Arten kommen hier vor. Der Eingangsbereich des sog. Mauerstollens wurde im Winter 2002/2003 verschüttet. Damit saßen die hier überwinternden Fledermäuse in der Falle. Unter Einsatz von NABU, BUND und dem Arbeitskreis Fledermausschutz Rheinland-Pfalz konnte der Zugang rechtzeitig für die aus dem Winterschlaf aufwachenden Fledermäuse geöffnet werden.

Der AK-Fledermäuse betreut auch einige Winterquartiere. Neben dem Stollenbunker an der Himmelsleiter in Leverkusen-Opladen sind das die Zwergenhöhle in Herrenstrunden, ein alter Bergwerksstollen im Hombachtal und ein kurzer Stollen bei Haus Hardt. Die letzten drei liegen im Rheinisch-Bergischen-Kreis. Drei der von uns betreuten Quartiere sind mit einem fledermausgerechten Gitter verschlossen. Die Zwergenhöhle in Herrenstrunden wurde durch den Einsatz des AK-Fledermäuse im Jahr 2003 mit einem neuen Tor versehen. Bisher fanden wir bei unseren Kontrollen, die wir seit 2001 durchführen, Große Mausohren, Wasserfledermäuse und Braune Langohren.

Wir freuen uns über jeden Hinweis auf mögliche Fledermaus-Winterquartiere!

Mechtild Höller (AK Fledermäuse)

Zum Weiterlesen: J. Gebhard: Fledermäuse, Birkhäuser Verlag, 1997;
G. Neuweiler: Biologie der Fledermäuse, Thieme Verlag, 1993.

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Wanderverhalten einheimischer Fledermäuse

Tiere kennen keine Grenzen - wie Vögel, Insekten (Schmetterlinge) und Amphibien verlassen die heimischen Fledermäuse im Herbst ihre Sommerlebensräume und ziehen oft über Ländergrenzen hinweg zu den Winterlebensräumen und im Frühjahr umgekehrt. Kenntnisse über saisonale Wanderungen der Fledermäuse sind wichtig für die Umsetzung internationaler Schutzabkommen, wie EUROBATS.

Gründe für die saisonalen Wanderungen der Fledermäuse

Tageslethargie und Winterschlaf ermöglichen den Fledermäusen mit ihrer Energie sparsam umzugehen. Wanderungen in günstigere Biotope haben den gleichen Zweck. Beringungsversuche belegen jahreszeitlich bedingte Wanderungen bis zu mehreren 100 km. Die wichtigsten Gründe für die Wanderungen sind:

- jahreszeitlich bedingter Nahrungsmangel

- fehlende Winterquartiere

Zugrichtung und Zugorientierung

Die Herbstzüge führen, vereinfacht dargestellt, von Ost- und Nordeuropa Richtung Süddeutschland, Balkanstaaten, Türkei, West- und Südfrankreich. Frühjahrszüge verlaufen in die entgegengesetzte Richtung, z. B. in die kurzen, insektenreichen Sommer in Skandinavien und Russland.

Durch Verfrachtungsversuche mit Myotisarten konnte gezeigt werden, dass die Tiere über Distanzen von 300 bis 700 km in ihre Heimatbiotope zurückfinden (NEUWEILER 1993). Über die Mechanismen der Zugorientierung ist wenig bekannt. Orientierungshilfen können Landmarken wie Flusstäler oder Küstenränder, Sterne, Geruchsstoffe, Winde in Gebirgstälern oder Erdmagnetfelder sein. Nicht bekannt ist, wie die Orientierungsmarken wahrgenommen werden.

Räumlicher Bezug zwischen Sommer- und Winterquartieren

Die Entfernung zwischen den Sommer- und Winterquartieren hängt von der Wanderneigung und Wanderfähigkeit der jeweiligen Art ab (BLAB 1980). Danach lassen sich die Fledermausarten einteilen in:

- Kurzstreckenwanderer oder ortstreue Arten - Sommer- und Winterquartier liegen wenige Kilometer voneinander entfernt: Zwergfledermäuse, Hufeisennasen, Langohren und Wimpernfledermäuse.

- Mittelstreckenwanderer mit Wanderstrecken zwischen 30 und 300 km: Breitflügel-, Teich-, Wasserfledermaus und die Langohren.

- Fernwanderer, die 1000 km und mehr zurücklegen: Große und Kleine Abendsegler, Langflügel-, Zweifarb-, Nord-, Alpen- und Rauhautfledermäuse.

Heute geht man davon aus, dass nur Teilpopulationen der jeweiligen Art wandern.

Fledermauswanderungen am Beispiel der Rauhautfledermaus

Die Rauhautfledermaus (Pipistrellus nathusii) eng verwandt mit der Zwergfledermaus, ist ungefähr 58 mm (Kopfrumpf) lang, hat einen Flügelspann von etwa 250 mm, ihr Gewicht liegt zwischen 6 und 15 g. Sie ist in Frankreich, östl. Mittelmeer, Mitteleuropa, Baltikum, Südschweden, Zentralrussland verbreitet (SCHOBER & GRIMMBERGER 1998). Saisonale Wanderungen sind durch Beringungen belegt. Die Tiere pendeln zwischen Wochenstuben in NO-Deutschland, Südschweden, Südbaltikum, und südlich/südwestlich gelegenen Winterquartieren bis in die Bretagne und zur Rhonemündung, durchziehen Südwestdeutschland und die Nordostschweiz.

* Rauhautfledermäuse in Ostdeutschland

Untersuchungen von Axel Schmidt (1998) in Ostbrandenburg zeigen, dass die Rauhautfledermäuse in Kiefernforsten häufiger vorkommen als in Eichenforsten. Ab April/Mai kehren die Tiere in ihre Sommerquartiere in Ostbrandenburg zurück. In der Niederlausitz liegen Paarungsgebiete und Durchzugsgebiete der Art, entsprechend zeigen die Vorkommen der Weibchen zwei Gipfel im Sommerhalbjahr. Der erste Peak liegt im April/Mai, der zweite im August/September. Ab Oktober sind die Rauhautfledermäuse in beiden Gebieten, Ostbrandenburg und Niederlausitz, nicht mehr nachweisbar (Schmidt 1998). Überwinterung der Art ist für Frankreich, das obere Rheintal, Süddeutschland, die Schweiz sowie für Wärmeinseln wie Berlin belegt.

* Paarungs- und Durchzugsgebiete der Rauhautfledermäuse am Bodensee

Die Paarungsgebiete in Süddeutschland (Bodensee) und in der Schweiz liegen ca. 1000 km von den Wochenstuben in Ostdeutschland entfernt und gelten als Durchzugsgebiete der Rauhautfledermäuse auf ihrer Wanderung in die Winterquartiere in Süddeutschland und der Schweiz.

Die Paarungsgebiete am Bodensee werden von Wolfgang Fiedler mit der AG Fledermausschutz in Konstanz auf jagende und balzende Rauhautmännchen mit Detektoren untersucht. Die AG kontrolliert außerdem ein Fledermaus-Kastengebiete auf der Insel Reichenau (seit 1990) und eins auf der Halbinsel Mettnau (seit 1983). Beide Kastengruppen sind im Herbst bis zu 90 % mit Harems der Rauhautfledermäuse belegt. Als Harems gelten Gruppen von einem Männchen mit geschwollenen Nebenhoden und 1 bis >10 Weibchen.

* Die Untersuchungen der Rauhautfledermäuse in den beiden Kastengebieten zeigen:

- Die Flügelspitzen der weiblichen Rauhautfledermäuse sind stärker ausgebildet als die der männlichen.

- Das Auftreten der "Rauhäute" in der Bodenseeregion zeigt im Jahresverlauf zwei Gipfel, der erste liegt Anfang April (Zug in die Sommerlebensräume), der zweite im September (Herbstzug in die Winterquartiere).

* Schlussfolgerungen

Ab Mitte September verlassen die Rauhautmännchen die Paarungsreviere in Ostbrandenburg (SCHMIDT 1998). Sie können frühestens Anfang/Mitte Oktober das Gebiet um den Bodensee erreichen. In der Bodenseeregion erscheinen aber schon ab Mitte August die ersten Männchen. Die Paarungsaktivität erreicht ihren Höhepunkt zwischen der 2. September- und 1. Oktoberhälfte. Diese Männchen im Bodenseegebiet können nicht identisch mit den Männchen in Ostbrandenburg sein, die ja erst ab Anfang Oktober zu erwarten sind. Daraus schließt Fiedler (1998), dass die Rauhautmännchen bei der Paarung zwei Strategien verfolgen:

- Eine Männchengruppe passt paarungsbereite Weibchen in Wochenstubengebieten und Durchzugsgebieten in Ostdeutschland ab,

- die zweite Gruppe erwartet die Weibchen in den Durchzugsgebieten am Bodensee nahe bei den Winterquartieren in Süddeutschland und der Schweiz.

Für die zweite Männchengruppe ist nicht bekannt, woher sie stammt. Fiedler nimmt an, dass diese Männchen die Sommer in der näheren Umgebung verbringen. Im Bodenseegebiet kommen demnach stärker ausgeprägt ziehende Weibchen und schwächer ausgeprägt ziehende Männchen vor. Dafür sprechen die stärker ausgebildeten Flügelspitze der Rauhautweibchen im Vergleich zu denen der Männchen. Bei ziehenden Vögeln sind die Flügelspitzen ebenfalls stärker ausgebildet.

Das milde Bodenseeklima bietet ausreichend Futterinsekten und damit gute Voraussetzungen für die Balzzeit der "Rauhäute" und Besetzung der Paarungsquartiere bis in die letzten Oktobertage.

Rauhautfledermäuse durchwandern im April/Mai das Rheinland in nordöstlicher Richtung, im September umgekehrt und werden dann regelmäßig vom AK-Fledermäuse in Leverkusen nachgewiesen.

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Spaltenquartier für Fledermäuse als Giebelverkleidung

Bisher erhielt der Arbeitskreis Fledermäuse Kenntnis von mehren Fledermausquartieren in/an Häusern in Leverkusen und Umgebung. In Gesprächen konnten die zunächst skeptischen Hausbesitzer überzeugt werden, dass Fledermäuse zwar heimlich und nachtaktiv leben, dabei aber harmlos sind und z. B. kein Holz oder sonstige Baumaterialien annagen, also Schäden an den Gebäuden anrichten.

An Gebäuden gibt es verschiedene Quartiertypen. Die wichtigsten sind Dachstühle im Sommer, kühle Keller im Winter und Spalten im Mauerwerk oder hinter Eternit- oder Schieferverkleidungen. Durch Renovierungen, Ausbau von Dachstühlen und Isolierung von Häuser sind in den letzten Jahren viele Fledermausquartiere an Häusern verloren gegangen. Mit relativ einfachen Mitteln lassen sich für gebäudebewohnende Fledermausarten wie Zwergfledermäuse, Große und Kleine Bartfledermaus, Rauhhautfledermaus, Breitflügelfledermaus spaltenförmige Quartiere an Häusern schaffen.

Das Fledermausquartier wird als Holzverkleidung am Giebel von Gebäuden angebracht. Die Unterkonstruktion besteht aus Dachlatten der Stärke 2,4 cm, an denen die Bretter befestigt werden. Verwendet werden Nut- und Federbretter, um Zugluft zu vermeiden. Ideal ist eine sogenannte Klappschalung, bei der die Stöße mit Zierleisten versehen werden. Die Lattenkonstruktion muss an verschiedenen Stellen unterbrochen sein, damit die Fledermäuse die gesamte Fläche nutzen können. Wichtig ist, dass die Holzverkleidung nach unten bis auf die Einschlüpfe gegen Zugluft mit einer Latte verschlossen ist. Die Aussparungen sollten etwa 10 cm breit sein. Die Fledermäuse landen auf der Hauswand und klettern hinter das Holz. Bei kleineren Gebäuden sollten die Einschlüpfe im Firstbereich an der Traufkante liegen. Niemals oben und unten Öffnungen anbringen, da sonst Zugluft im Quartier entsteht. Die Größe das Quartieres sollte 1 m² nicht unterschreiten, richtet sich ansonsten nach den Gegebenheiten des Gebäudes.
Das Holz muss unbehandelt sein, da Fledermäuse sensibel auf Holzschutzmittel reagieren. Lärchenholz ist witterungsbeständig, verwendet man diese Holzart, ist kein chemischer Holzschutz notwendig. Soll das Quartier farblich an das Gebäude angepasst sein, müssen biozidfreie Farben verwendet werden.
Informationen dazu erhalten Sie unter Infofledermaus[at]aol.com oder Telefon 0214 - 54283.

Mechtild Höller (AK-Fledermäuse)

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Baumhöhlen – Wohnstätten für Fledermäuse

 

Waldbewohnende Fledermäuse wie die Abendsegler, Fransen-, Bart- und Bechsteinfledermäuse sind auf alte Bäume mit Höhlen angewiesen! Baumhöhlen entstehen durch Spechte, nach Verletzungen und durch die Wirkung holzzersetzender Organismen. Sie dienen als Nahrungsdepot, Schlafplatz, Unterschlupf und haben vor allem in der Fortpflanzungsperiode für Vögel und Fledermäuse große Bedeutung. Unterschieden wird zwischen Primärnutzern, die ihre Höhle selber anlegen (Spechte), und Sekundär- oder Folgenutzern wie z. B. den Fledermäusen, die fertige Höhlen beziehen.

Wie findet man Baumhöhlen, die von Fledermäusen besetzt sind?
Soziallaute des Großen Abendseglers sind teilweise mit bloßem Ohr zu hören.
-Wachen Abendsegler aus der Tageslethargie auf, geben sie hohe Zeterlaute von sich, ähnlich wie aggressives Meisengezwitscher. Die Laute sind in Entfernungen von 50 m noch zu hören und verstärken sich bis 1 Stunde vor Sonnenuntergang.
-Während der Balzzeit im August/ September und nach dem Winterschlaf im März/April sind mit bloßem Ohr hohe ein- und zweisilbige Pfiffe zu hören, die sich mit dem Batdetektor bei 12-18 kHz eher schmatzend anhören.
-Wachen Abendsegler an warmen Tagen im Winterquartier auf, fühlen sich die lethargischen Tiere durch die Aktivität gestört und geben hohe "Zieh"-Laute von sich. Die Soziallaute ermöglichen direktes Auffinden der Quartiere.

 

 

Verschiedene Höhlenarten an einem Baum

Schwarmverhalten: Zurückkehrende Fledermäuse schwärmen am Quartierbaum, durch die Beobachtung des Schwärmens sind Quartiere aufzufinden. Wasserfledermäuse schwärmen 1-1,5 Stunden vor Sonnenaufgang 15-60 Minuten lang.

Indirekte Nutzerhinweise: Kot- und Urinspuren an den Baumstämmen, Fliegen im Eingangsbereich, verfärbte Einfluglöcher, Kot und Urin auf Pflanzen können auf die Nutzung einer Baumhöhle durch Fledermäuse hinweisen.

Welche Tiere nutzen Baumhöhlen?
Baumhöhlen werden ganzjährig genutzt z. B. durch Große und Kleine Abendsegler, unsere Spechtarten, Bienen, Eichhörnchen, Meisen, Kleiber, Zaunkönig, Baumläufer oder Star. Schwerpunkt der Vogelnutzung ist die Zeit von März bis Juni, die Vogelbruten sind bis Mitte Juni ausgeflogen. Oft werden mehrere Quartiere an einem Baum genutzt. Höhlen können während des Jahres von unterschiedlichen Nutzern bewohnt werden. Möglich ist folgende Besetzung einer Baumhöhle im Jahresverlauf:

Nov.-Februar

 

Abendsegler

(Winterschlaf)

April

Eichhörnchen

Mai - Juni

Honigbienen

April - Juni

Buntspecht

Ab August

 

Abendsegler

(zur Balz)

Ab November

Abendsegler

Wann und wie können Baumhöhlen von Fledermäusen genutzt werden?
Große Abendsegler nutzen die Höhle als Winterquartier, Zwischenquartier, Wochenstube und als Balzquartier. Eine Höhle in einer über 100 Jahre alten Rotbuche in Leverkusen-Opladen war im Spätsommer 2003 von 23 Großabendseglern besetzt. Da Höhlen durch Verschmutzung (Nistmaterial, Bienenwaben, Urin, Kot) und damit verursachte Parasitenzunahme unbrauchbar werden, sind mehrere Höhlen, in die Fledermäuse wechseln können, in einer Waldparzelle notwendig.

Erhalt von Höhlenbäumen – Fledermausschutz im Wald
Mit einem vermehrten Angebot an Altholz, der Erhaltung alter Höhlenbäume und markanter Einzelbäume und der Bewahrung von Altholzzellen kann ein ausreichendes Quartierangebot für höhlenbrütende Vögel und für Fledermäuse gesichert werden. Enge Spalten hinter abstehender Rinde und in rissiger Borke nutzen z. B. Bechstein- und Mopsfledermaus als Sommerquartiere.

Fledermauskästen - Höhlenersatz
Wenn in geeigneten, gut strukturierten Waldgebieten mit reichlichem Nahrungsangebot Naturhöhlen fehlen, so kann man Fledermäuse mit Kunsthöhlen fördern. Fledermauskästen sind immer Ersatz; Maßnahmen zur Förderung natürlicher Quartiere müssen im Vordergrund stehen.
Als Sommerquartiere können Fledermaushöhlen aus Holzbeton (z.B. Firma Schwegler Typ "2 FN") ausgebracht werden. An Jagdkanzeln lassen sich für Spaltenbewohner (z. B. Wasserfledermäuse) leicht Fledermausbretter oder Flachkästen aus ungehobeltem Holz anbringen.
Eine Bauanleitung für einen Flachkasten und Hinweise zum Ausbringen der Fledermauskästen finden Sie auf der Internetseite des AK-Fledermäuse:
www.fledermausschutz-lev.de
Mechtild Höller (AK-Fledermäuse)

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Eine Fledermaus wird groß

Am Sonntag, dem 16. Juni 2006 riefen zwei junge Leute aus Swisttal bei Bonn an. Ihre Katze hatte eine kleine Fledermaus in die Wohnung gebracht, nun suchten sie jemand, der die Fledermaus zur Weiterpflege übernehmen könnte. Das Tierchen habe kaum Fell und die Augen seien noch geschlossen, es war demnach ein erst wenige Tage altes Jungtier.

Obwohl die Pflege und Aufzucht von Jungtieren Neuland für mich war, übernahm ich die kleine Fledermaus am Sonntagabend. Sie war gerade so groß wie ein Damennagel und brachte 1.6 Gramm auf die Waage. Ich schätzte ihr Alter auf 3 bis 4 Tage. Die Fledermaus war seit zwei Tagen bei den jungen Leuten. Diese hatten inzwischen alles besorgt, was zur Aufzucht von Fledermausbabys benötigt wird. Dazu gehörte Milchpulver zur Aufzucht von kleinen Katzen, das auch zur Aufzucht von Fledermäusen geeignet ist, kleine Gefäße zum Auflösen des Milchpulvers, Mikropipetten zum Füttern und - ohne das wäre es nicht gegangen - eine Anleitung zur Aufzucht von Fledermausjungtieren, zusammengestellt von Ingrid Kaipf aus Tübingen, die das Skript den Findern freundlicherweise zuschickte. Die Beiden zeigten und erklärten mir, wie man vorgehen muss. Kleine Fledermäuse müssen alle vier Stunden gefüttert werden, in der Nacht kann eine längere Pause eingelegt werden. Die Tierchen werden am besten in einem Frotteesäckchen gehalten und sollen als Ersatz für die Körperwärme der Mutter auf einer Wärmeflasche liegen.

Es war zuerst ungewohnt, so ein kleines Wesen zu halten und ihm Milch ins Maul zu geben, aber nach kurzer Zeit ging das sehr gut, und die Fledermaus trank zügig ihre Mahlzeit. Weitere Mitarbeiter lernten das Tier zu füttern und zu pflegen, und wir konnten uns nun mit der Pflege abwechseln. Wie wir inzwischen wussten, zogen wir eine kleine Zwergfledermaus groß. Wir nannten sie Fledi.

Die Fledermaus war fitt und nahm täglich an Gewicht zu, das Fell wuchs und wurde dichter. Wie die täglichen Kontrollen zeigten, entwickelten sich die Flügel gut. In der zweiten Woche nach der Übernahme begann die Fledermaus mit einer Art Gymnastik. Wenn sie auf einem Stück Korkeiche saß, öffnete sie die Flügel und dehnte diese. Einige Tage später versuchte die kleine Fledermaus von der Hand abzufliegen, landete dabei zunächst auf dem Boden, versuchte es immer wieder und flog schließlich die ersten Runden im Zimmer.

Zur gleichen Zeit bekam die Fledermaus die ersten Mehlwürmer zugefüttert. Die Nahrungsumstellung verlief ohne Probleme und nach etwa fünf Tagen fraß das Tier soviel Mehlwürmer, dass die Milch weggelassen werden konnte.

Die Fledermaus war ausgewachsen, fitt und flugsicher, und es war Zeit, das Tier auszuwildern. Ist das Quartier bekannt, bringt man die Tiere dorthin und sie können sich der dort lebenden Kolonie anschließen. Die Finder kannten das Quartier in ihrer Nähe nicht, und wir suchten nach einem geeigneten Ort in Leverkusen. Entschieden haben wir uns für einen naturnahen Garten, der direkt an einen Wald grenzt. Die Eigentümer hatten vor einem Jahr ein Fledermausquartier an ihrem Haus entdeckt und beobachten im Sommerhalbjahr an jedem Abend jagende Fledermäuse in ihrem insektenreichen Garten. Als sie von unserem Anliegen erfuhren, freuten sie sich, und wir verabredeten uns für den Abend des 13. Juli 2006. Wir warteten gemeinsam, bis wir die ersten Fledermäuse im Garten fliegen sahen, setzten unseren kleinen Schützling an den Stamm einer Kiefer und beobachteten ihn. Nach weniger als 5 Minuten flog die Fledermaus los und gesellte sich zu ihren Artgenossen.

Bald konnten wir nicht mehr unterscheiden, welche von den jagenden Fledermäusen unser Pflegling war. Irgendwann flog eins der Tiere einige Kreise in der Nähe des Balkons, auf dem wir mit den Hauseigentümern standen. Der zehnjährige Enkel war sich ganz sicher, dass es unsere Fledi war, die uns Aufwiedersehen und Danke sagen wollte. Wer weiß?

Regelmäßig werden verletzte oder geschwächte Fledermäuse gefunden.

Haben Sie eine junge oder eine geschwächte Fledermaus gefunden, gibt Ihnen unsere Internetseite www.fledermausschutz-lev.de unter dem Kapitel Schutz erste Hinweise zum Umgang mit den Tieren. Danach sollten Sie uns anrufen unter 0214 / 54283, wir helfen Ihnen gerne weiter und übernehmen die Pflege der Tiere.

Tipp: Wenn ein Quartier in der Nähe ist, z. B. direkt über dem Fundort in einer Mauerspalte oder hinter einer Verkleidung, das Tier nahe an die Quartieröffnung setzen, insbesondere wenn es ein Jungtier ist. Das Tier kann so ins Quartier zurückkrabbeln.

Mechtild Höller (AK-Fledermäuse)

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