Einweihung der Insektennisthilfen "Wildbienenfamilie" auf dem NaturGut Ophoven (v.l. Sebastian Kramps, der Leverkusener Dezernent für Bürger, Umwelt und Soziales Markus Märtens, Cille Körner)
Uwe Richrath und Olivia Müller mit selbstgemachten Insektenhotels bei der Wohltätigkeitsauktion mit Trödelmarkt auf dem NaturGut Ophoven

Moderne Kriterien für Insektennistkästen

Nach neuesten Erkenntnissen soll ein Insektenhotel folgendermaßen gebaut werden:

Empfehlenswert und besonders einfach herzustellen sind Nisthölzer mit Bohrgängen für hohlraumbewohnende, solitär lebende Wildbienenarten.

•    Es sollte ausschließlich entrindetes Hartholz, am besten Esche, benutzt werden. Idealerweise wird ins Längsholz gebohrt, also nicht in das Hirnholz, das an den kreisförmigen Jahresringen zu erkennen ist.

•    Der Bohrlochdurchmesser sollte 3 – 8 mm betragen.

•    Je größer der Bohrdurchmesser ist, desto größer muss der Abstand zwischen den Bohrlöchern sein, um Risse zu vermeiden. Die Bohrtiefe entspricht der jeweiligen Bohrerlänge. Das Holzstück darf nicht durchbohrt werden, muss also tief genug sein.

•    Den Bohrer solange hin- und her bewegen, bis die Wände glatt sind - ansonsten verletzen die Wildbienen ihre empfindlichen Flügel. Querstehende Holzfasern am Eingang abschmirgeln. Besonders geeignet sind Holz-Bohrer, Spiralbohrer die direkt einen „Senker“ dabei haben. Je glatter das Bohrloch, umso besser! Bohrmehl durch Ausklopfen entfernen.

•    Bruthilfen befestigt man so, dass sie der Sonnenseite zugewandt sind, d.h. Süd oder Südost. Zudem an einem möglichst regen- und windgeschützten Standort fest anbringen, also nicht baumelnd im Wind oder bodennah, damit sie nicht durch Pflanzen beschattet werden. Die „Flugbahn“ soll stets frei bleiben.

•    Nisthilfen jahrelang ungestört draußen am gleichen Standort belassen, also auch im Winter.

•    Strangfalzziegel bieten ideale Löcher zur Besiedelung.

•    Nisthilfen in alten Blechdosen mit sauber abgeschnittenem Schilf (z.B. aus Schilfrohrmatten) oder Strohhalmen (nicht aus Plastik) werden gern angenommen.

•    Ein Reinigen der Nisthilfen ist prinzipiell nicht nötig. Dazu spezielle Tipps einholen.

Fertige Nisthilfen bekommt man z.B. im InfoTreff der Naturschutzverbände NABU und BUND Leverkusen in der Gustav-Heinemann-Str. 11.

Und auf dem NaturGut Ophoven wurden 2017 fünf Holzstelen in Form des Kunstwerks  “Familie Wildbiene”  nach diesen neuen Erkenntnissen gebaut: Die Holzstelen stehen für eine Familie und zeigen, dass Nisthilfen für Wildbienen viele verschiedene Formen haben können. 


Mögliche Fehler

Leider sind viele Nisthilfen für die Bedürfnisse der Insekten ungeeignet. Das liegt an ungeeigneten Materialien oder falscher Bauweise. Sie werden kaum besiedelt und einige können unter Umständen sogar schaden.

So bitte KEINE Insektenhotels bauen:

•    Vermeiden Sie untaugliche Nisthilfen, insbesondere solche mit Glasröhrchen zur Beobachtung der Nistaktivitäten im Inneren. Bei Verwendung dieses wasserdampfundurchlässigen Materials kann die Wildbienenbrut in den Röhrchen verpilzen und damit absterben.

•    Für Nisthilfen aus Holz wird leider oft frisches, nicht abgelagertes Holz verwendet.

•    Die Bohrungen werden oft zu dicht gesetzt. So entstehen Risse, die von Wildbienen gemieden werden.

•    Zu vermeiden sind auch Bohrlöcher im Hirnholz von Baumscheiben (an den kreisförmigen Jahresringen zu erkennen). Hier entstehen schnell Risse, außerdem zieht leichter Feuchtigkeit ins Holz ein als bei Bohrungen ins Längsholz. Bohrgänge mit angrenzenden Rissen werden von Wildbienen gemieden.

•    Loch- und Hohlziegel werden nicht besiedelt, sind aber dennoch Bestandteil von fast jedem „Wildbienenhotel“. Verwenden Sie lieber Strangfalzziegel, deren Löcher gerne besiedelt werden.

•    Auch die oft empfohlene horizontale Bündelung von markhaltigen Stängeln entspricht nicht den Lebensgewohnheiten der Tiere: Diese orientieren sich in der Natur an freistehenden, mehr oder weniger vertikalen Strukturen. Lassen Sie lieber zum Beispiel abgestorbene Königskerzenstängel stehen oder stellen Sie dürre Brombeer-Ranken auf.

•    Schwierig sind sogenannte „Weidenruten-Lehmwände“ zur Förderung grabender Bienenarten, weil das Lehmmaterial fast immer viel zu hart ist.


Das Insektenhotel - ein verlockendes Angebot         

Der Winter 2013/14 ist gegangen, wie er gekommen war, zu warm, zu feucht, ohne Eis und Schnee. Ideal für alle, die in der Erde, unter Steinen, Reisig- und Laubhaufen oder in morschen Baumstämmen und Mauerritzen Schutz vor dem Frost suchten. Sie konnten so manchen Blick nach draußen riskieren und laue Frühlingsluft wittern.

Nun, mit dem beginnenden Frühjahr sind sie alle wieder da, ohne Kälteverluste.
Frühblüher und junge Baumtriebe, -knospen und -blüten sorgen für die erste Nahrung, denn die eigenen Vorräte der erwachenden Kreaturen sind aufgezehrt.

Zitronenfalter gaukeln den Reigen ein, noch vor den Hummeln, Mauerbienen, Eintags- und Schwebfliegen, gefolgt von den ersten Wespen und Honigbienen.
Sogar der Rapsweißling und der Aurorafalter gesellen sich mit dem kleinen Fuchs, dem Waldbrettspiel und dem Tagpfauenauge hinzu.
Nichts fehlt, für alle ist gesorgt.
Mit der übermütigen Freude am Leben ist es jedoch schnell vorbei, denn jetzt heißt es schon wieder, zur Sicherung des Kreislaufes künftiger Jahre den Nachwuchs planen!

Ein unschlagbares Angebot machen wie jedes Jahr erneut die Insektenhotels, die für einige Mauerbienen und sonstige Solitärinsekten, die keine Staaten bilden (z.B. Beispiel auch die Maskenbiene), gute, komfortable Unterkünfte bieten.

Natürliche Quartiere sind in unserer ausgeräumten Landschaft oft schwer zu finden. Lange Wege und Kompromisse auf Kosten von Komfort und Sicherheit können sich die meisten Insekten nicht leisten.

Die Röhrenräume der Insektenhotels locken vor allem die Rote und die Gehörnte Mauerbiene mit bequemen Eingängen auf der Sonnenseite, mit wirksamem Wetterschutz und kurzen Wegen zu den Futterplätzen.
Das Ganze ist kostenlos für Bedürftige, nur die schlauchartig angelegten Räume müssen die Mieter noch selbst ausstatten, dann noch für die Mahlzeiten sorgen und immer gut abschließen, und schon kann es los gehen.

Sich die Räumlichkeiten vorher genau anschauen und ausprobieren, damit hinterher auch alles passt, sollte man aber schon noch, sonst bleibt manch einer auf der Straße sitzen und die Suche muss von vorn beginnen. Jetzt kann jedoch der Einzug beginnen.

Nach der Begattung bleibt alles Frauensache. Schlüpft ein Männchen mal in die Stube, so nur auf der Suche nach einem Weibchen, das es noch beglücken kann. Ist seine Arbeit getan, so darf es sich noch eine Weile in der freien Natur vergnügen, bis es das Zeitliche segnet. Es hat seine Pflicht getan.

Die Mütter sind jetzt nicht mehr zu halten. Sie allein staffieren und tapezieren mit Drüsensekret gegen Pilzbefall die Zimmer aus, beginnend mit dem am Ende der schlauchförmigen Räumlichkeiten liegenden Raum und legen je ein befruchtetes Ei kindgerecht gebettet mit dem notwendigen Speisenvorrat aus Pollenkuchen hinein. So hat das Kleine später gleich etwas zu mampfen, wenn es aufwacht.
Danach wird statt einer Tür eine Wand gezogen, vor die erneut ein Ei in der gleichen Weise sorgfältig gelegt wird. Je nach Länge der Röhre wiederholt sich die Prozedur vier bis fünfmal mit jeweils einer Wand dazwischen.
Jeder Nachkomme hat so sein eigenes Kinderzimmer. Jedoch die erste Kammer bleibt aus bisher unbekannten Gründen leer. Das gleiche gilt schlauerweise für die letzte, um Fressfeinde zu irritieren.
Zum Schluss bekommt die Behausung eine nahezu einbruchsichere Tür.

Bricht dann der Tag der Tage an, und die Sonne beginnt mit den ersten warmen Strahlen ihre Weckrunde, sollte das zuletzt geplante Kind direkt hinter der dicken Tür dem Ruf der Natur folgen, schlüpfen, beziehungsweise aufwachen und die Tür aufnagen. Nur so ist Platz für den Nachwuchs der tiefer liegenden Kinderzimmer, deren Wände ohne Türen ebenfalls aufgeknabbert werden müssen, immer hübsch der Reihe nach. Genug Mühe und Arbeit liegen so bereits vor dem Ausflug..

Immer liegt hinter dem Haupteingang und der leeren Kammer ein Zimmer mit einem unbefruchteten Ei, aus dem sich nur ein Männchen über die Stadien Ei, Larve, Puppe und fertiges Insekt, wie alle anderen auch, entwickeln kann.
Der Grund liegt darin, dass die Entwicklung beim männlichen Tier ein bis zwei Wochen früher abgeschlossen ist und es damit für seine Weibchen den Weg frei macht.
Nicht ganz uneigennützig, denn nach dem Austritt aus der Kammer wartet es geduldig auf die Weibchen, um sie gleich zu befruchten, und somit den Kreislauf erneut in Gang zu setzen.
Ist die Wartezeit allerdings zu lang, besteht für das Männchen die Gefahr, zum Opfer eines Vogels zu werden. So fiele eine Generation mit seinen Genen aus.
Die Sorgfalt, die diese Tiere ihrer Fortpflanzung widmen, sollte das Risiko jedoch klein halten.

Es ist fast immer noch gut gegangen und fast alle haben es geschafft, das Licht der Welt zu erblicken.

Aber wir sind der Zeit schon viel zu weit voraus, denn immer noch werden weitere Suiten und Appartements belegt. Umzüge und Bauarbeiten, wo man hinschaut.
In wenigen Tagen wird plötzlich Ruhe einkehren, die Betriebsamkeit ein Ende haben. Alle Räume sind belegt!

Dann bricht auch für die Mütter eine schöne Zeit an.
Auf alles Weitere kann geduldig gewartet werden. Sich endlich dem eigenen Wohlergehen zu widmen, wie es vordem die Väter auch getan haben, nur zum Spaß und für etwas Nektar hin und her zu fliegen, haben die Mütter jetzt dringend nötig.
Vielleicht müssen die Jungs ja auch noch mal ran? Darauf muss man gefasst sein, jedoch nur bei wenigen Arten, wie den Sandbienen.

Für jetzt wird das Tageslicht schwächer, der Abend und die Nacht kündigen sich an. Ein sicherer Schlafplatz ist schnell gefunden. Nun schießen alle ihre Augennetze, schauen zurück auf so vieles, was bisher vollbracht wurde, und träumen schon mal die Träume künftiger Nächte.