Honigernte
Honigverkauf

Schulprojekt „Mit Bienen in die Zukunft“

Nach der wiederholten Auszeichnung des Projektes des Naturwissenschaft-Kurses der Gesamtschule Schlebusch und ihres Lehrers Reinhold Glüsenkamp als UNESCO-Dekadeprojekt „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ nahm die BUND-Kreisgruppe Kontakt mit den Teilnehmern auf. Als Elternvertreterin freue ich mich sehr, das Projekt näher vorstellen zu dürfen.

Der Begriff der Nachhaltigkeit prägt unsere Medienlandschaft, doch was verbirgt sich dahinter? Die Projektteilnehmerinnen und –teilnehmer lernen diesen Begriff am Beispiel der Bienen kennen. Sie wissen, dass Bienen als Bestäuber vieler Kulturpflanzen eine große Bedeutung für die Menge der geernteten Nahrungsmittel zukommt. Dass in unserer heutigen Umwelt häufig nicht mehr ausreichend verschiedene Pflanzen mit unterschiedlichen Blütezeiten wachsen, um die Bienen zu ernähren, lernen die Schüler.

Soweit die Theorie. Nachhaltigkeit erfordert aber auch Handlungsorientierung. Es gilt: Nur was ich kenne, mag ich; und nur was ich mag, (be-)schütze ich.
Als Konsequenz aus dieser Erkenntnis gibt es an der Schule zwei Bienenvölker, um die sich die Schüler mit ihrem Lehrer und Hobbyimker kümmern. Wenn die Schüler zum ersten Mal eine Wabe in der Hand halten, steht noch eine gehörige Portion Respekt oder gar Unbehagen in dem einen oder anderen Gesicht. Doch schon bald überwiegen Stolz und die Faszination, die Bienen ausüben. Im Jahresverlauf folgt das „Highlight“: Die Waben werden aus dem Stock entnommen und danach der Honig mit einer Handschleuder „geerntet“.

Die Schülerinnen und Schüler arbeiten im schuleigenen Bienengarten, pflanzen und pflegen dort bienenfreundliche (Tracht-) Pflanzen, wie z. B. Apelbäume, Him- und Brombeersträucher, Wildkräuter (z. B. Löwenzahn ist willkommen), Stauden (z. B. Königskerzen, Mädchenauge, Sonnenhut) oder auch Einjährige wie die Sonnenblumen. Im Schulgelände sind auch Ahorn, Linde und ein Bienenbaum als Trachtbäume gepflanzt worden. Mit dem NaturGut Ophoven besteht eine Kooperation, auch dort sind die Schüler im Bienengarten tätig, pflanzen Trachtbäume oder kennzeichnen die Trachtbäume für die interessierten Besucher.

Im Unterricht und bei den Besprechungen eines kleinen Gremiums, dem auch zwei Elternvertreter angehören, werden die Projektideen gemeinsam weiterentwickelt. Vor etwa zwei Jahren entschieden die Schüler, das Interesse an Bienen und Bienenschutz nicht nur in ihrem eigenen Umfeld zu wecken, sondern überlegten sich Wege, wie sie noch mehr Menschen erreichen könnten. Schnell kamen sie auf den Gedanken, zusätzlich zu einem Stand am „Tag der offenen Tür“ der Schule, auch z. B. mit einem Stand am „Kindertag“ in der Schlebuscher Fußgängerzone oder bei Großveranstaltungen auf dem NaturGut Ophoven vertreten zu sein. Sie entwarfen einen Fragebogen (z. B. „Wo haben es die Bienen leichter – in der Stadt oder auf dem Land?“ oder „Helfen Bienen uns Menschen?“), um damit eine Hilfestellung bei den vielen Geprächen mit fremden Erwachsenen zu haben. In Kooperation mit dem Imkerverein Leichlingen wurde der Flyer „Bienenfreundliche Gärten“ entwickelt, der u. a einen Blütezeitkalender mit attraktiven Pflanzen für Garten- und Balkonbesitzer enthält. Beim Motto „Ohne Bienen keine Früchte“ verteilten die Schüler ihn zusammen mit Äpfeln oder Fruchtbonbons in der Opladener und Schlebuscher Fußgängerzone.

Mit der Beteiligung an den Aktionstagen der UNESCO wurde der schuleigene „Nachhaltigkeitshonig“ verkauft. Da Nachhaltigkeit auch globales Denken beinhaltet, war schnell die Idee geboren, sich mit dem eingenommenen Geld für Bienen in ärmeren Ländern einzusetzen und dies mit sozialem Engagement zu verbinden. Wege dafür öffnete die Kooperation mit dem schuleigenen Eine-Welt-Verein „Horizontes“, der schon in Nicaragua (Zentralamerika) und in Burkina Faso (Afrika) mit eigenen Projekten tätig ist. Dadurch ließen sich Ansprechpartner finden, die sich für die Idee begeistern konnten. In Nicaragua sollen Kleinbauern in Imkerei geschult werden und durch die Honigproduktion eine zusätzliche Einnahmequelle erhalten. Etwas anders ist die Situation in Burkina Faso, so berichtet unser Koordinator Alfred Ouoba. Hier sollen Frauen die Möglichkeit erhalten, durch die Imkerei ein eigenes Einkommen zu erzielen. Gleichzeitig wird zum Schutz der Bienen eine nachhaltig wirtschaftende Bienenhaltung angestrebt, denn leider ist es vielerorts in Afrika üblich, dass bei der Honigernte ein großer Teil des Bienenvolks nicht überlebt.

Bei den Schülern liegt jetzt das Augenmerk neben dem Bienenschutz auch auf der Einnahme von weiteren Spenden, um die globalen Projekte langfristig zu unterstützen. In diesem Jahr produzierten sie bienenfreundliche Pflänzchen, die gegen Spende abgegeben wurden, und pflanzten mit Kindern Sonnenblumen in kleine Töpfe. Im September dieses Jahres wurde das gemeinsame Trommeln mit dem Koordinator aus Afrika zu einem unvergesslichen Erlebnis.

Die Spende durch den BUND sorgte mit dafür, dass in diesem Sommer der erste Kleinbauer in Nicaragua zwei Bienenvölker erhielt. Vielen Dank dafür!

Link zu: www.gesamtschule-schlebusch.de 

Link zu: www.mit-bienen-in-die-Zukunft.de

Andrea Bolz-Küster