NABU stellt neue Rote Liste 2002 der Brutvögel vor

Über die Hälfte aller Brutvogelarten gilt als gefährdet

Der NABU, der Deutsche Rat für Vogelschutz (DRV) und der Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA) haben in Bonn die dritte und aktuelle Rote Liste der Brutvögel Deutschlands vorgestellt. Im Vergleich zur Vorgängerliste aus dem Jahr 1996 ergebe die aktuelle Einstufung zur Gefährdungssituation der insgesamt 254 heimischen Arten eine deutliche Verschlechterung für die wildlebenden Vögel, sagte NABUVizepräsident Helmut Opitz: „Gewachsen ist sowohl die Zahl der stark gefährdeten Arten als auch die Gruppe von Vögeln auf der so genannten Vorwarnliste. Das ist die bittere Quittung für den sorglosen Umgang mit unserer heimischen Natur.“ Die negativen Bestandsentwicklungen machen selbst vor ehemals häufigen Arten wie dem Haussperling und der Mehlschwalbe nicht halt. Es ist zu befürchten, dass manche dieser Allerweltsarten schon innerhalb der nächsten zehn Jahre in ihrem Bestand gefährdet sind, wenn der besorgniserregende Trend nicht durch gezielte Artenschutzmaßnahmen gestoppt wird.

Als ungefährdet gelten nach den aktuellen Ergebnissen nur noch 113 Arten, also rund 44 Prozent der Brutvögel. “Die stärksten Bestandsrückgänge haben Wiesenbrüter wie Kiebitz, Uferschnepfe und Bekassine erlitten“, sagte HansGünther Bauer, Präsident des DRV und Vorsitzender des RoteListeGremiums. Ähnlich ist es einer Reihe weiterer Feldvogelarten wie dem Rebhuhn oder der Feldlerche ergangen. Als Hauptursachen für den negativen Trend in dieser Gruppe nannte Bauer die seit Jahrzehnten verfolgte Intensivierung und Technisierung der Landwirtschaft und die ökologischen Folgen, die sich für die Lebensräume aus Überdüngung und Ausräumung der Landschaft ergeben.

Die rund 5.000 ehrenamtlichen Mitarbeiter stießen bei der aktuellen Erhebung allerdings auch auf Gewinner. „Für einige Enten, Greifvögel und Eulen konnten Bestandserholungen um teilweise über 20 Prozent gegenüber 1975 festgestellt werden“, sagte Klaus Witt vom DDA. Bei den Greifvögeln hat die seit vielen Jahren rechtswirksame Jagdverschonung zur Verbesserung beigetragen. Arten wie Schleiereule, Wanderfalke und Raufußkauz profitieren hingegen von gezielten Artenhilfsmaßnahmen.

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